Was zu beweisen war..... 

 

Das Schweigen wurde so beherrschend, dass es den ganzen Raum zu füllen schien,
fast greifbar wurde.
Sie wartete, hielt kurz den Atem an, um kein Geräusch aus seiner
Richtung zu überhören.
Er musste doch jetzt etwas sagen, er mußte einfach.

Im Halbdunkel des Zimmers war seine massige Gestalt in dem tiefen
Sessel nur schemenhaft wahrzunehmen.
Ihre Sinne waren bis zum Äussersten angespannt, und dann
.....tiefe Atemzüge.

Dieses verdammte Arschloch war eingeschlafen.

Soviel also über Beziehungsarbeit.

Die Wut schlug wie eine eiskalte Woge über ihr zusammen.
Mordlust, wild und unkontrollierbar, erfasste jede Zelle ihres
Körpers.
Hass, nicht nur gegen diesen Mann, sondern ebenso massiv gegen die
eigene Person gerichtet, schnürte ihr buchstäblich die Kehle zu.

Wie konnte sie nur einen Moment geglaubt haben, dieses stumpfsinnige,
uninteressierte ETWAS würde je begreifen, wovon sie gesprochen hatte.

Die Zeit des Redens war vorbei, es musste gehandelt werden,
gleichgültig, wie sehr es ihrer aller Leben zerstören würde.

Sie würde es ihm nicht leichtmachen, er sollte zahlen.

Zahlen für 10 Jahre verzweifelter Versuche, aus diesem
genussorientierten Fleischberg auch nur den Anflug eines
tiefergehenden Gefühles hervorzulocken.

Für all ihre Hoffnungen, die durch die Seichtigkeit seiner gestörten
Empfindungsfähigkeit vertrocknet waren.

Zahlen für die sexistischen Machosprüche, mit denen er ihre
anhaltenden Versuche, ihre Beziehung auf eine liebevolle und innige
Basis zu stellen, unterlief.

Sie musste ihn in der Tiefe seiner verfetteten Krämerseele treffen,
dort, wo es ihn auf eine Weise verletzen würde, die ihm die
nächsten zwei Jahre zu einer einzigen Tortur werden ließen.

Leise stand sie auf, zündete sich eine Zigarette an, legte sie
vorsichtig in den Aschenbecher und ging mit dem brennenden Feuerzeug
hinüber zum Kaminsims.

Mit der Linken griff sie nach dem Ticket das, angelehnt an ihr
Hochzeitsbild, schon seit Wochen darauf wartete,
bei dem Ereignis des Jahres präsentiert zu werden.

Lächelnd hielt sie es in die Flamme, sah tief befriedigt, wie die
Hitze die Ränder kräuselnd einrollten und der Aufdruck

* Fussball-Endspiel - WM - *

sich auflöste, bevor das Billet aschig zu Boden sank.
 


                              ***

Und schon wieder war's passiert.
Das Experiment auf die altbekannte Weise mißglückt.

Es half also nichts, der Autor musste der Wahrheit ins schlitzohrige
Gesicht sehen.

Die schmerzlichen Fakten zur Kenntnis nehmen, egal, wie sehr
seine Arbeit damit endgültig in den Bereich der leichten Kost verbannt
wurde.

Er war einfach unfähig, dramatische Vorgaben auszubauen und zu einem
logischen Ende zu führen.

Einem Ende, das den Leser erschauern ließ, das Emotionen hervorrief,
die nicht in einem belustigten Grinsen endeten.

Wie toll doch dieser gestohlene Einstieg war:

Das Schweigen wurde so beherrschend,
dass es den ganzen Raum zu füllen schien,
fast greifbar wurde.

....abgekupfert aus einem Psychothriller, schien dieser Satz jede
Voraussetzung zu erfüllen, ein Drama einzuleiten das sich, im Laufe
der Handlung immer mehr ansteigend, in einer zwischenmenschlichen
Katastrophe entlud.

WOW, große Gefühlskiste .......

Nicht mal eine DIN A4 Seite lang hatte er den Versuch diesmal
durchgehalten.

Erneut endete die Story mit einem GAG, der eine Ohrfeige für den auf
Spannung getrimmten Leser sein musste.

Statt eine mordende Gattin in eine tiefenpsychologisch verzwickte
Handlung zu katapultieren, hatte er mal wieder einen Schlenker
in die Groteske fabriziert, in der ein dussliger Macho seiner
Einlasskarte für ein ebenso bescheuertes Fussballspiel beraubt wurde.

Der Beweis war endgültig erbracht.

Niemand schreibt je etwas, das nichts mit ihm selbst und seinem
ureigensten Wesen zu tun hat.

© LWarmeling