Visionen



Die Sonne scheint im Meer zu versinken und taucht die sich sanft heranwälzenden
Wogen in eine Sinfonie aus Gold und Blau.

Draussen am Riff brechen sich die Wellen.
Gischt überflutet sekundenlang die von dem stetigen Ansturm der See
ausgezackten Felsspitzen, dann fließt das Wasser zurück , rollt erneut an und schließt
sich dann hinter dem Riff, zur Landseite auslaufend in immer flacher werdenden Wellen.

Kate steht am Ufer, die nackten Zehen in den nassen Sand vergraben
und spielt das ewige Spiel.
Zurückweichen vor allzu kräftigen Wellen, die fast auffordernd nach ihr zu greifen
scheinen, bereit sie beim Zurückfließen mitzunehmen wie eine Beute die ihnen zusteht.
Und dann gleich wieder herangehend, bis die kleineren Wellen ihre Fußknöchel
fast liebevoll umschließen und glucksend in den Ufervertiefungen versickern.
 

Es riecht nach den Netzen der Fischer, nach Seetang, Muscheln und Freiheit.

Eine kräftige Brise kommt auf und weht ihr langes Haar wie ein breites
schwarzes Satinband in die Luft.

Sie liebt diese späten Abende am Meer.
Die Bucht menschenleer und, abgesehen vom Rauschen der See eine Stille,
die vergessen lässt, wie hektisch betriebsam dieser Strandteil zu anderen Zeiten ist.

Jetzt kommt ihre Stunde.

Rasch entledigt sie sich des bunten Hängers unter dem sie nackt ist und schreitet,
das steigende Wasser mit den Händen teilend, immer tiefer hinein in ihr Element.

Endlich lässt sie sich fallen, taucht, hält ein Weilchen, ohne an die Oberfläche zu kommen,
den Atem an und das Meer umschließt sie wie ein fordernder Geliebter.

Mit einem halb erstickten Schrei taucht sie wieder auf, schießt fast aus dem Wasser
in wildem Spiel mit den Wellen und schwimmt schnell wie ein brauner Pfeil hinüber zu den Klippen.

Ohne sonderlich außer Atem zu sein, schwingt sie sich kraftvoll aus dem Wasser
auf eine von den Gezeiten blankpolierte Stelle inmitten zackiger Felsen.

Die Beine angewinkelt sitzt sie dann bewegungslos im Lotossitz auf dem Plateau.
Eine im Abendlicht golden schimmernde Statue.
Ihre Konturen heben sich deutlich im Licht des aufgehenden Mondes vom Dunkel des Meeres ab.

Sie bewegt sich sehr lange nicht, in tiefe Meditation versunken, scheint sie auch den
nun aufkommenden Wind zu ignorieren.
Ein Mensch, eins mit seiner Umgebung, verschmolzen mit der Natur.

Von der Seeseite nähert sich ein robustes schweres Boot.
Der breitschultrige Ruderer bewegt das Boot mit kräftigem Schwung in die Richtung des Riffs.
Der Insasse wirkt irgendwie bedrohlich in seiner Kompaktheit, ungleich gefährlicher als die
immer kräftiger heranrollenden Wogen der See.

Kate kehrt ihm den Rücken zu und bemerkt nicht, dass die Schaluppe immer näher kommt
und der Mann darin inzwischen lautlos mit nur einem Ruder laviert, um ungehört so dicht
wie möglich ans Riff zu gelangen.

Als er endlich lautlos unterhalb ihres Sitzes angekommen ist hebt er den Kopf
und das Licht des aufgehenden Mondes fällt voll auf sein Gesicht.

Fast eine Fratze, die hohe Stirn mit dem zurückweichenden Haaransatz voller Narben
und ungeglätteter Wülste, die ihm das Aussehen eines wilden Kriegers geben.
Ein Gesicht zerklüftet wie das Riff.
Voller schmerzlicher Erfahrungen, aber geprägt von unzerstörbarem Siegerwillen,
anarchisch und gesetzlos in seiner Wildheit.

Einzig die schwarzen Augen, wissend und erfahren, lassen ahnen, dass dieser Mann
nicht nur kämpfen kann.
In diesem Moment sind sie voller Bewunderung auf die nackte Gestalt im Lotossitz gerichtet.
Sein Atem wird hörbar.

Ruckartig springt Kate auf wirbelt herum, sieht den Mann, bedeckt beide Brüste mit den Händen und ruft;
 
 

"Computer ...... das Programm * Überwältiger* sofort löschen."



"Verdammt nochmal Kate, hatten wir nicht abgemacht, dass Du diese Sequenz durchziehst.

Was denkst Du denn, wie lange wir Captain Janeway noch fast geschlechtslos agieren lassen können.

Das nimmt uns Deine Fangemeinde nicht mehr lange ab.
Oder sollen sie sich vorstellen, dass ihr Idol im Laufe der jahrelangen Suche
zwischen den Sternen zur Lesbe wurde.."

Lächelnd steigt Kate aus dem See.
Ohne ihre Blöße zu bedecken wendet sie sich an den Sprecher hinter der Kamera und sagt gelassen;
"Du bist und bleibst ein Dummkopf Stephen, die Tatsache, dass Janeway sich eine solche
Holodeck-Vision programmiert hat, macht jedem meiner Fans überdeutlich, was sie sich wünscht.

Nur phantasielose Trottel wie Du brauchen dazu jetzt noch eine detaillierte Überwältigungsszene.
Und die musst Du Dir stricken, eine Janeway ergibt sich nicht."
 
 


Copyright L Warmeling