
Mein Verhältnis mit Angie endete im Winter
03 etwas abrupt.
Wir hatten unser leicht eingeschlafenes Sexleben
durch eine Ortsverlagerung
auffrischen wollen. Das heißt, Angie
wollte, denn Sex war ihr Hobby.
Eine Passion, die sie mit immer neuen Ideen betrieb.
Mir wäre unser Bett als Spielwiese
noch lange recht gewesen.
Immerhin glaubte ich ihr - was sexuelle Praktiken
betraf - schon weit genug
entgegengekommen zu sein.
Aber als ich letzte Woche die Verführungsaktion
der Saison startete und
- ab der Eingangstür beginnend - dunkelrote
Rosenblätter auslegte,
die dann in Pfeilform sinnigerweise bis zum
Bett führten,
sah sie mich an und sagte; “ Jesses.”
Nur “Jesses” und ich kam mir vor, als sei ich
ein konservativer Scheißer, der
dringend einen Tantra-Lehrgang besuchen sollte.
Das wars dann wohl nicht, führte aber
dazu, dass sie mir vorschlug,
in der nächsten Vollmondnacht den Beischlaf
auf der Wiese des nahen
Parkes auszuüben. Und zwar nicht dort,
wo die Büsche Deckung geben,
sondern inmitten des Veilchenrondells.
Na ja, es war sicher ideenreich, und da ich
nicht schon wieder von ihr
hören wollte, ich sei ein Langweiler
der Extraklasse, bemühte ich mich,
den Zeitpunkt nicht zu verpassen, an dem der
volle Mond unser
Tun milde lächelnd begleiten würde.
So weit wars dann schon bald. Aber....das Wetter
spielte nicht mit.
Es regnete Sturzbäche und Angie ließ
sich gerade noch davon abhalten,
dennoch unter einem Zweipersonen-Schirm ihrem
Kick zu frönen,
zudem auch die Veilchen längst verblüht
waren.
Blöderweise ergab es sich, dass zu Vollmondzeiten
jedes Mal andere
Widrigkeiten ihren Plan verhinderten.
Es war wie verhext und ich hoffte schon, Angie
würde endlich einsehen,
dass Gott Amor wohl auch nicht so viel für
Freiluftspiele übrig hatte.
Aber da kannte ich Angie schlecht.
Mitte September baute sie sich vor mir auf,
und stellte mir ein knallhartes Ultimatum.
Entweder der nächste Vollmond sähe
uns auf der Parkwiese,
oder ich sähe sie nicht mehr wieder.
Zwei Tage später brach ich mir den Fuß
und kam erst mal in die Klinik.
Es war ein komplizierter Bruch und ich hatte
das dumpfe Gefühl,
die zögernde Heilung hatte psychosomatische
Gründe.
Wie auch immer, ich war erst mal gerettet.
Die Zeit verging, ich kam wieder auf die Beine
und nahm meine Arbeit als
Dekan in der Uni wieder auf.
Aber vergessen war Angies Idee damit nicht
und so wunderte ich mich
nicht unbedingt, als sie in einer sternklaren,
mondhellen Nacht den
Fernseher auf Standby schaltete, mich lüstern
ansah und kurz und bündig sagte ;
“Jetzt“.
So war sie nun mal, viele Worte lagen ihr nicht
und für mich reichte
das auch, denn die Vollmondaktion war ohnehin
wie drohendes Unheil in meinem
bodenständigen Naturell verankert.
“Aber...hob ich an...aber sie schnitt mir kurzerhand
das Wort ab.
“ Sofort, oder nie wieder,” sie sagte es so
entschlossen wie der Richter
der lebenslänglich verkündet und
mir war klar, eine Weigerung würde
auch *lebenslänglich* heißen, nämlich
ein Leben ohne Angie.
Ich ergab mich in mein Schicksal, zumindest
hatte ich die besten Vorsätze.
Tüchtig angeheizt von Angie und durchaus
willfährig, steuerte ich mit ihr den nahen Park an.
Allerdings hatte uns niemand informiert, dass
dessen Tore wegen der
auf Zerstörung programmierten Jugendlichen
seit einiger Zeit gegen
22 Uhr geschlossen wurden.
Das Tor zu überwinden, stellte mich erst
mal mangels
Tretleiter vor eine unlösbare Aufgabe.
Besonders, da ich peinlicherweise an Höhenangst
litt.
Ein Blick in Angies Gesicht und ich wagte nicht
einmal zu denken,
dass unser Vorhaben mit des Geschickes Mächten
gescheitert war.
Heißt es nicht, das Glück sei mit
den Tüchtigen?
Der Gott der Liebenden musste beschlossen
haben, diese klare
Winternacht nicht zu meinem Waterloo werden
zu lassen.
Nach angestrengtem Suchen entdeckte ich in
Höhe eines Hunderückens
eine Lücke in der Hecke, und kroch auf
Händen und Füssen hindurch,
insgeheim fluchend, dass der Hund, der diese
Bresche geschlagen hatte,
wohl ein Dackel gewesen sein musste.
Stolzgeschwellt, wenn auch etwas mitgenommen,
ließ ich Angie
durch die kleine Seitenpforte eintreten und
sie drängte sich hingebungsvoll
- weil frierend - an mich.
Aber nur wenige Sekunden.
Sie schnüffelte und sagte mit angeekelter
Stimme,
“ Puuuhh, bist Du in Hundescheiße getreten?”
Getreten? Viel mehr als das.
Ich hatte die Hinterlassenchaft Waldis offensichtlich
mit meinem Parka
aufgewischt und jetzt drohte unser sexuelles
Abenteuer endgültig zum Fiasko zu werden.
Ich wurde stur. Nichts würde mich jetzt
noch dazu bringen, aufzugeben.
Ich würde Angie auf dem Rasen beweisen
wie progressiv ich sein konnte und wenn
es das Letzte war was ich tat.
Elegant warf ich das stinkende Utensil auf
den Rasen, mit dem Winterpelz
nach außen und schickte mich an, Angie
darauf zu überwältigen.
Aber der Gestank war derart intensiv, dass
Angie wohl befürchtete, das würde
sogar ihre Sexlust jäh erlöschen
lassen.
Sie kam auf Touren und drängte mich kurzentschlossen
in die Richtung
eines riesigen Laubhaufens, der auf den Abtransport
wartete.
Wollüstig stöhnend sank sie zu Boden
und breitete die Arme nach mir aus.
Ich ließ mich nur zu gerne fallen ,
denn es war mir inzwischen saukalt geworden.
Ich fürchtete, meiner Manneskraft beraubt
zu sein, wenn ich mich nicht sofort
an ihrem Liebesfeuer erwärmen konnte.
Im gleichen Augenblick, als ich mit meinem
Gewicht die zarte Angie fest
in den Laubhaufen drückte und ihren Slip
zerriss, stieß sie wilde Schreie aus.
Es dauerte einige Sekunden, ehe ich begriff,
das waren absolut keine
Lustschreie...und schon bekam ich Angies Knie
in die Weichteile gerammt.
Ich rollte stöhnend von ihr herunter
auf den steinhart gefrorenen Boden
und Angie schrie immer noch.
Mit heruntergelassener Hose sprang ich wie
von der Tarantel gestochen auf und
wollte sie hochziehen.
Sie stieß meine Hände weg und versuchte
alleine auf die Beine zu kommen.
Das Mondlicht beleuchtete eine Szene wie sie
skurriler wohl nicht denkbar war.
Als Angie endlich stand, kroch unter dem Laubhaufen
eine ebenso
entsetzte Igelfamilie hervor und raste mit
einer Schnelligkeit davon,
wie sie bei Igeln ansonsten kaum beobachtet
wird.
Und Angie hüpfte auf einem Bein und versuchte
- sich nach hinten biegend -
zwei ziemlich monströse Igelstacheln
aus ihrem nackten Hintern zu ziehen.
Und nun tat ich etwas Unentschuldbares, ich
lachte.
Das Gelächter zerriss mich fast und ich
muss, mit schlackernder Hose
um meine Fußgelenke gewickelt , ausgesehen
haben wie ein tanzender Gnom in der Walpurgisnacht.
Angie hat mich noch am anderen Tag verlassen
und obwohl ich mit einer
pfundsmässigen Grippe zu Bett lag und
mich bemühte,
diese Nacht auszuschwitzen, lachte ich noch,
als sie wutentbrannt mit ihren Koffern
meine Wohnung verließ.
Sie hatte leider so gar keinen Humor die Gute.
