Flotte Feder wünsche ich, ...so schloß der Artikel aus der Schreibwerkstatt.
Na sowas, Schreibblockaden sind also etwas,
das man überwinden kann
und seis auch mit einer Serie nützlicher
Internetadressen, in denen Diejenigen,
denen selbst gerade nichts einfällt,
den anderen armen Idioten Tips geben,
wie sie die gleiche Situation mit Glanz und
Gloria überwinden, um sich dann wo einzureihen?
Das wissen wir noch nicht so genau, die Aussicht,
es wird in der Schlange
erfolgloser Schriftsteller sein, liegt aber
näher als der für morgen
angekündigte Besuch meiner Schwiegermutter.
Der Teufel weiß, dass ich nicht perfekt bin.
Na ja, und ich weiß es natürlich
auch und achte höllisch darauf,
dass sich dieses Wissen nicht wie Masern in
einem Kinderhort,
in meiner Umgebung verbreitet.
Ist verdammt anstrengend Leute, das kann ich Euch sagen.
Hätte ich nicht ein so brillantes Gedächtnis,
das es mir erleichtert,
angelesenes Wissen zu speichern und nach Bedarf
aufzurufen,
dann hätte ich schon in so mancher Klemme
mehr Federn gelassen als mir lieb sein kann.
Na klar, sowas nennt man einen Blender.
Ich habe nicht die Absicht das zu bestreiten,
aber da ich mich mit der
Methode in guter Gesellschaft mit der Hälfte
der Menschheit und mindestens
99% der politischen herrschenden Klasse befinde,
habe ich mir abgewöhnt,
darin einen eklatanten Mangel zu sehen.
Schwierig wird es, wenn es um zwischenmenschliche Beziehungen geht.
Da muss man sich entscheiden.
Lässt man die Frau seiner Träume
so nahe an sich heran, dass sie sagen kann
" ich kenne diesen Mann, ich kenne ihn wirklich",
dann riskiert man natürlich,
dass sich dieses kennen auch auf die Schwächen
bezieht, die man bisher so gut verbergen konnte.
Hält man das nicht aus – und genau das
ist immer mehr der Fall – dann endet es natürlich
damit, dass man auf diese Weise Zeit seines
Lebens niemanden wirklich kennenlernen muss,
denn man hütet sich natürlich, jemandem
dazu überhaupt eine Chance zu geben.
Irgendwie scheint das Ganze also darauf hinauszulaufen,
dass die Gabe Vertrauen
aufzubauen zwar als unabdingbare Voraussetzung
für eine zutiefst befriedigende
Zweisamkeit erkannt, aber genau deswegen nicht
zugelassen wird.
Irgendwann werde ich mich wohl einmal entscheiden müssen, Nähe zuzulassen.
Aber noch lange nicht.
Bis dahin schlendere ich durch ein Dutzend
oberflächlicher Beziehungen,
die berüchtigten One- Night-Stands inbegriffen
und tauche aus jeder mit einem
Gefühl tiefer Leere, aber – wie ich meine
– unbeschädigt wieder auf.
Ängste überwinden? Welche? Ich bin
mir lediglich einer gewissen Vorsicht bewusst
und wenn man diese in die Nähe von Angst
rücken will, nur zu, sie ist nichts anderes
als das Ergebnis gemachter Erfahrungen.
Die einfach in den Wind zu schiessen, nur weil
ich vorübergehend Schmetterlinge
im Bauch habe, das hieße doch unweigerlich,
der nächste Reinfall wird zielgerichtet
in die Wege geleitet und ich könnte hinterher
nicht einmal behaupten,
ich wäre unbeteiligt daran gewesen.
Natürlich, es stimmt, was Sie jetzt denken, man vereinsamt auf diese Weise.
Aber dem gegenüber steht, dass man von
fast allen Menschen respektiert wird,
weil sie nur das Bild von mir sehen, das ich
sie sehen lassen will.
Oder???
Irgendwie schien meine Strategie seit letzten Samstag einen Riß bekommen zu haben..
Mein Selbstschutzgebäude begann im gleichen
Moment in allen Fugen zu krachen,
als Anna die Szene betrat.
Ich saß mit zwei meiner Kumpel vor dem
Entscheidungsspiel unseres Baseballvereins
noch in der Bar und wir beglückwünschten
uns gegenseitig , überhaupt die Karten für
das Endspiel erwischt zu haben.
Die Stimmung schlug hohe Wellen und wir waren sicher, das beneidenwerteste Trio in der Bar zu sein.
Lutz, unser Aufreißer vom Dienst, stieß mir plötzlich seinen Ellbogen in die Seite.
" Mensch was für eine Braut, wie kommt
denn der Glanz in diese Hütte, die ist ja umwerfend."
Er grinste mich an und ich wusste, er fuhr
gerade sämtliche Eroberungstentakel aus.
Ich gönnte mir einen verstohlenen Blick zum Ende der Bar und da saß sie.
Sie wirkte auf mich wie eine Brandfackel in
die Magengrube.
Ich wusste in der ersten Sekunde, wenn es
überhaupt eine Frau auf dieser Welt geben
sollte, die für mich geboren worden war,
dann hatte ich sie gerade gefunden.
Aber Lutz hatte sich bereits vom Tresen gelöst
und schlenderte mit seinem
Glas in der Hand wie absichtslos hinüber,
er griff bereits an, während ich noch dabei war,
meine Strategie zu entwickeln.
Strategie? Hatte ich denn eine?
Sogar wenn, Lutz hatte bisher noch jede Frau
erobert, auf die er aus war und bei dieser
hier würde er zu großer Form auflaufen,
das war sicher.
Ich konnte nicht hören, welchen seiner
üblichen Kennenlernsprüche er gerade abließ,
aber ich sah ihre Reaktion.
Völlig unbeeindruckt schob sie ihr Glas
zurück, warf das lange dunkle Haar in den Nacken
und sah durch ihn hindurch.
Die schweigende Abfuhr war so deutlich, als sei Lutz vor eine Wand gelaufen und so sah er auch aus.
Aber sie sah gar nicht durch ihn hindurch,
ihr Blick traf mich mit einer solchen Intensität,
dass mein Hirn, gerade noch auf Baseball und
Saufen bis zum Umfallen programmiert,
plötzlich wie leergefegt war.
Ein Vakuum, mehr als bereit, alles was vom
anderen Ende des Tresens kam, mit einer
Bereitschaft aufzunehmen, die etwas sklavisch
Ausschließliches hatte.
Ohne es richtig zu bemerken war ich aufgestanden und sah sie abwartend an.
Sie schob Lutz beiseite wie ein lästiges
Anhängsel und er starrte offenen Mundes
hinter ihr her, als sie an mir vorbei zum
Ausgang schritt.
Auf gleicher Höhe mit mir verharrte sie
den Bruchteil einer Sekunde und sagte;
" Morgen früh 7 Uhr, zeitgeschichtliches
Museum in der Goethestraße Eingang B."
Hach, ich kanns richtig sehen.
Da sitzen sie nun, meine Leser und denken, wat macht die denn da?
Erzählt von einer Schreibblockade, gerät
unversehens in die Versuchung aus dem
Blickwinkel eines Mannes Eroberungsfantasien
zu entwickeln....WIR, die Leser gieren
je nach literarischer Vorliebe bereits nach
einem Krimi oder einer saftigen Überwältigungsaffäre,
und es passiert .......N I C H T S.
N I C H T S ?
Aber Leute, ich lasse Euch gerade teilnehmen
an ETWAS, das man einen kreativen Prozeß nennt,
Schummelei einbezogen, denn es muss nun natürlich
über die Schimmelpilz-Fraktion geredet werden.
Das sind Autoren, die ihre mißlungenen
Geschichten, oft auch nur Fragmente,
in Phasen tiefster Verzweiflung in die Schublade
des Vergessens befördern, und dann die Lade schließen.
Da liegen sie nun, für die runde Ablage
noch nicht mies genug befunden,
schimmeln vor sich hin und schließen
untereinander Wetten ab, ob dieser Dummkopf,
der sie hier entsorgt hat eigentlich weiß,
wie toll sie sich ausnähmen, wenn er je auf den
Einfall kommen würde, sie miteinander
zu verbinden.
Da sagt der frühzeitig beendete Krimi
zu der etwas dürftigen Liebesstory mit
düster rauher Stimme..."Süße,
Du rufst in mir wilde Visionen einer exzessiv sexuellen
Überwältigung wach, ich denke gerade
darüber nach, ob ich Deine Protagonistin
vergewaltigen oder abmurksen sollte."
Und diese sagt schnippisch, "noch bist Du für
mich völlig ungefährlich und wie ich
unseren Schreiberling kenne, wirst Du das
auch bleiben, Du Möchtegern-Gangster."
Worauf der Naturbursche aus der nie beendeten
Kurzgeschichte über Heimatvertriebene
behauptet, "wer interessiert sich denn für
diese alte Schraube,
der wachsen doch schon Spinnweben zwischen
den Beinen."
Heiseres Gelächter all der Widerlinge
aus den mißglückten Charles Bukowski
Plagiaten belohnt ihn für seine intellektuelle
Sondervorstellung und die Antagonisten
beschließen, ein Sondertreffen in der
hinteren Schubladenecke zu organisieren und
Strategien eines Ausbruchs zu erstellen.
Der findet dann natürlich nicht statt,
weil schon wieder eine weitere halbfertige
Arbeit ins Fach plumpst und daher sofort zu
überprüfen ist, ob die Protagonisten
etwa die Überhand gewinnen und man sich
nicht doch besser die Schubladenmacht
sichern sollte, anstatt ins Unbekannte zu
starten.
Und dann wird’s ernstlich heiter.
Das widerspricht sich nicht etwa.. Oh nein,
denn nichts ist ernsthafter gemeint
und erdacht, als die Aktionen der Spaßmacher.
Alle satirischen, komischen oder auch nur hintergründigen
Sätze aus den verschiedenen
Arbeiten haben Hauptversammlung.
Hin-und herspringend wie eine Herde Gnu‘s zur
Brunftzeit versuchen sie, aus Satzfragmenten,
die gar nichts miteinander zu tun hatten,
weil sie aus unterschiedlichen Geschichten stammen,
sowas wie eine Einheit der Komik zu bilden.
Das hört sich zuerst etwas zusammenhanglos an:
Ja, ja, schreibs auf ein Schild und stell Dich damit an die Autobahnauffahrt.
Ich hasse ihn, ja, er ist ein wenig widerlich.
Der gehört zu der Sorte, die regelmäßig
vergisst, die Freundin nach
dem Sex nach Hause zu bringen,
Also sollte sich jemand erbarmen, die Luft
aus ihr rauslassen und sie
wieder in den Schrank zurücklegen.
Nachdenklich schwingt sich die Protagonistin
aus der Lovestory – der nie vollendeten –
auf die Schubladenkante und dirigiert dann
mit erhobenem Zeigefinger, Satz eins und
Satz drei etwas um und schon hört es
sich so an:
"Der gehört zu der Sorte, die regelmäßig
vergisst, die Freundin nach
dem Sex nach Hause zu bringen,
Also sollte sich jemand erbarmen, die Luft
aus ihr rauslassen und sie
wieder in den Schrank zurücklegen."
Ja, ja, schreibs auf ein Schild und stell Dich damit an die Autobahnauffahrt.
Ich hasse ihn, ja, er ist ein wenig widerlich.
Und siehe da, es ergibt einen Sinn, wieso ist
das diesem Schreibblockaden-Kümmerling
denn nicht aufgefallen?
"Sind wir denn schon so weit, uns selber erschaffen zu müssen?"
"Was ist das denn nur? Ist dieser Möchtegernschriftsteller
vielleicht zu alt um
etwas wirklich Wesentliches sagen zu können?"
" Da muss was dran sein," sinniert einer aus der Runde und dirigiert aus der Plagiaten-Ecke den Spruch:
" Ich setze Alter und Dummheit zwar nicht
unbedingt gleich, glaube aber, dass
jemand, der 40 Jahre nichts geschnallt
hat, seine letzten 25 nicht
gerade im Schein uebermaessiger Weisheit
verbringen wird."
winkend nach vorne.
" Soll das etwa heißen, wir haben absolut
keine Chance, jemals in einer
hinreißenden Story Verwendung zu finden?"
Ein dünner Tänzer aus einer mißglückten
Rock-und Pop-Story guckt grämlich aus
seinem Trikot.
"Bestelle Dir endlich mal als Beilage ein bisschen
Hirn Du Kläffer, aber vorsorglich mit
Gebrauchsanleitung."
Der Sprecher ist ein Ringer, der ansonsten
dazu neigt, die Columbine aus der
mißlungenen Arbeit über Boxidole
und ihre Groupies zu umschwärmen und in dem
grazilen Tänzer schon immer einen Rivalen
sah.
"Was brauchen wir diesen Autor, wir erfinden uns sozusagen selbst, das hast Du doch gesehen."
Wilde Aktivität begann, Geschrei, Aufregung,
gegenseitiges Verächtlichmachen,
Schubsen, Rangordnungen erstellen, es war
eine einzige wilde Schlacht sich jeweils zu behaupten.
Erst am frühen Morgen kehrte Ruhe ein in dem Schubfach.
Erschöpft aber glücklich hingen sie
alle in den Seilen, hatten ihren höchstpersönlichen
Platz gefunden und sich zu einer wunderschönen
Geschichte zusammengefügt.
Plötzlich, zorniges Schluchzen aus einer Ecke.
" Und ich, wohin passe ich?"
"Mich braucht keiner, ich passe nirgendwo hin, was soll nur aus mir werden?""
"Ja, ich weiß nicht, Sätze wie Dich sollte man ausradieren, hört Euch doch den Spruch mal an:"
Der Tänzer klingt verächtlich. "Das
ist doch nun wirklich nicht unser Niveau."
"Meine Güte was soll das mit der Unterdrückung
der Frau.
Wir wissen doch alle, würden wir den
Männern rund um die Uhr einen
blasen, könnten wir die Welt beherrschen
und hätten noch die Hände
frei um ausländische Würdenträger
zu begrüssen. "
"Nun gebt aber Ruhe, unser Erschaffer arbeitet
doch gerade für EMMA.
Ich wette, diesen Satz wird er als ersten
vermissen und ihn hier ausgraben und wenn
er morgen die Schublade öffnet, dann
springen wir ihn gemeinsam mit unserer Kombinations-Idee an. "
Die Columbine strahlt den mißachteten
Satz freundlich an und setzt hinzu
" der wird also unser *Sesam öffne Dich".
"Sammelt Euch Freunde und verschwendet nicht
die Zeit damit, Euch über einen
blöden Emanzenspruch Sorgen zu machen,
die Sorte ist unverwüstlich, der wird
überall einen Lacher bringen, für
uns aber steht alles auf dem Spiel,
wir müssen hier raus, bevor dieser Versager
schon wieder die nächsten
Story-Fragmente hier reinfeuert, denn dann
wird’s eng."
"Und wie nennen wir uns? Wir müssen doch als Story einen zündenden Namen haben."
" Na wie schon....
*** Die Schimmelpilzfraktion***.
Geschichte eines auferstandenen Volkes.
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