Mordpläne
Da waren sie wieder die bekannten Symptome.
Eine weitere Attacke kündigte sich an,
mit Atemnot, Herzklopfen und Unwohlsein in der Brust.
Ich kannte die Anzeichen und rang schon nach
Luft, um dem Gefühl des
Erstickens zuvorzukommen.
Vergebens, ich konnte nicht entkommen.
Benommenheit, Schwindel , ein Gefühl der
Unwirklichkeit, Kribbeln in Händen und Füßen,
kalter Schweiß brach aus und die zitternde
Furcht zu sterben, verrückt zu werden,
oder während einer Attacke etwas Unkontrolliertes
zu tun, erfasste mich wie eine eiserne Klammer.
Der Sturz in den Abgrund begann.
Ich hatte absolut keine Chance rational zu
reagieren.
Egal wie oft ich nun schon in gleicher Situation
gewesen war und sie doch relativ
unbeschadet überstanden hatte, es gelang
mir nie, diesen Gedanken während einer
Attacke zuzulassen. I
ch starb jedesmal tausend Tode, absolut sicher,
diesmal würde etwas Entsetzliches passieren.
Verzweifelt klammerte ich mich an den Klingelknopf
und schrie.
Meine Stimme klang erstickt, als würge
eine Wolldecke jeden normalen Laut ab.
Sie kam wieder nicht.
Es war ihr egal wie ich litt. Sie musste mich
ebenso hassen wie ich sie .
Und wie ich sie hasste.
Diese gesunde, apfelbäckige Schwester
in ihrer weißen gestärkten Tracht.
Sensibel wie ein Fallbeil war sie, es würde
mir auf ewig unerfindlich bleiben,
wieso jemand auf die Idee gekommen war, diesen
Trampel in der Psychiatrie einzusetzen.
Ihr Verständnis für meine Krankheit
lag bei Null.
Sie neigte dazu, etwas, das weder sie noch
das Team der Psychologen begriff,
durch eine Demonstration von munteren Sätzen
wie:
"Jetzt kümmern wir uns aber mal nicht
um die bösen Gedanken,"
oder
"Man muss nur wollen, dann verschwinden die
Attacken,"
oder
"Jetzt sind wir aber mal ein großer
Junge und
stellen uns nicht so an"
zu etwas zu degradieren, das unweigerlich in
die Nähe von Erziehungsmaßnahmen
für schwererziehbare Jugendliche gerückt
wurde.
Sie war dumm wie ein Brot
Gegen ihre fleischige Stupidität kam
nichts an.
Mit ihr zu reden wurde unweigerlich zu einer
Art Degenfechten,
bei dem ich mir vorkam, als kämpfe ich
mit einer Hühnerfeder gegen ein Wasserbett.
Sie ließ mich jedesmal ohnmächtig
vor Wut zurück und diese Wut liebte ich,
denn sie war der einzige Weg, aus der Panikattacke
zu entkommen.
Im gleichen Moment da diese Wut alles überrollte
was ich dachte und fühlte,
löste sich die Panik auf.
Zu etwas viel Gefährlicherem.
Gefährlich für SIE..... der Wunsch,
sie zu töten wurde übermächtig.
Ich würde sie auf eine Weise töten
müssen, die für mich ohne Folgen blieb.
Die Rache für ihre völlig falsche
Berichterstattung an meine medizinischen
Betreuer wollte arglistig und bösartig
geplant sein.
Sie war die Ursache dafür, dass ich in
dieser Woche schon zum zweitenmal
Elektroschocks zu ertragen hatte und erst
gestern hatte sie mich nach
einer weiteren Attacke von den beiden bulligen
Krankenpflegern in die
mit eiskaltem Wasser gefüllte Wanne setzen
lassen.
Dass danach die Panik abbrach, weil ich mich
verzweifelt bemühte ,
aus der Wanne zu entkommen, wertete sie glatt
als Behandlungserfolg
und alle künftigen Anfälle als bedauerliche
Rückfälle,
die man ja durchaus wieder auf die gleiche
Weise abbrechen konnte.
Mein Plan war perfekt..
Ich würde mich im Therapie-Raum für
die Arbeiten an der elektrischen
Installation einteilen lassen.
Es würde sicher 6 Monate dauern, bevor
ich so weit war, ein wirkliche Hilfe
für den zuständigen Handwerker zu
sein, aber...ich war wild entschlossen, es zu schaffen.
Sie würde Elektroschocks endlich aus eigenem
Erleben kennenlernen und,
es würden solche der tödlichen Art
sein.
Meine Panik ebbte ab, ich schlief erschöpft
auf dem Fußboden hinter der schweren,
verschlossenen Eisentür ein.
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