Überraschungseier für MARKUS
Es waren fünf von der süßen
Sorte und da lagen sie nun ganz harmlos herum
und sollten auf die Weihnachtsreise nach Laudenbach gehen, denn da saß ein kleiner
Junge namens Markus und wartete auf seine Oma.
Zuerst aber kamen sie in den Kühlschrank,
damit sie nicht in der Reisetasche zerschmolzen
und vielleicht noch alles, was sich sonst
darin befand, verkleistern würden.
Da lagen sie also, zitterten ein wenig, denn
in dem Kühlschrank wars ziemlich kalt, aber
sie zitterten auch, weil sie sich auf die
morgige Reise freuten,
Geht das eigentlich? Sich freuen und trotzdem
ein klitzekleines bißchen sorgen?
Denn wer weiß, wo man landen wird, vielleicht
gar nicht bei einem
netten kleinen Jungen namens Markus, sondern
im Magen eines fürchterlichen
Ungeheuers.
"Ach was" , sagte Ei Nummer 5, "Ihr spinnt ja, es gibt gar keine Ungeheuer, Basta".
Schließlich hatte man ihnen bei der Herstellung
in der Schokoladenfabrik
ja gesagt, passt schön auf, am schönsten
wird’s sein, wenn Ihr von einem
Kind das süße Sachen liebt, genüsslich
verspeist werdet.
Das tut nicht etwa weh, aber nein, man schmilzt
vor Wonne,
wird von der Zunge zärtlich gestreichelt
und rutscht dann durch die
Speiseröhre in den Magen und dort geht’s
lustig zu.
Dort lernt Ihr lauter neue Freunde kennen.
Denn besonders kleine Jungens essen alles
durcheinander,
Gummibärchen schwimmen da herum und Sahnehäubchen,
Kuchen
und süßer Reis und wenn Ihr Glück
habt, kommt auch mal ein Stück
Rinderbraten des Wegs und duftet so verführerisch,
dass Ihr Euch
gleich in ihn verlieben werdet.
Ganz zu schweigen von dem jungen Gemüse,
süße Zuckererbsen,
schneeweißer Stangelspargel, Radieschen
und Eisbergsalat,
und all das nicht nur urgesund, sondern auch
voller Vitamine.
Denn Ihr müsst wissen, Vitamine das sind
diese kleinen unsichtbaren Geister,
die aus einem blassen Kind ein gesundes Kraftbündel
machen.
Aber denkt jetzt nicht, Vitamine seien etwas
langweiliges, aber gar nicht,
sie sind zwar ein bisschen eingebildet, weil
sie schließlich dafür sorgen,
dass ein Kind kräftig und gesund bleibt,
aber mit uns Süßigkeiten halten
sie gute Freundschaft, denn wir sind es, die
ein Kind glücklich machen,
also ergänzen wir uns.
Davon träumten also die Überraschungseier.
Plötzlich aber wurde die Kühlschranktür aufgerissen und herein stürzten
Jumbinchen
Mausfleder
Amorinchen
Zwerginchen
und Feuerball
"He Ihr Überraschungseier", schrie Feuerball
mit seiner lauten Stimme,
" wir sind Eure Mitfahrer, seid also so freundlich,
uns einzulassen,
denn ohne uns als eingepackte Überraschungen,
seid ihr ja nur
Schokoeier und sonst nichts.
"Pfff... sagte Ei Nummer Eins, " das denkste
aber auch nur Du Schreihals,
wir sind Schockoladeneier mit Inhalt, bei
uns ist kein Platz für Mitfahrer,
in meinem Inneren wohnt ein Ball und was bei
den anderen drin ist,
das wissen die nur selbst, Euch geht das gar
nichts an".
"Na ja, sagte Ei Nummer Zwei, in mir trabt
ein kleines Pony,
wenn ich das so recht überlege, eigentlich
ein klitzekleines Pony,
es wäre also noch Platz für den
kleinen Engel, er könnte ja auf
dem Pony reiten"....Ei Nummer Zwei sah Amorinchen
freundlich an.
"Und wer nimmt mich mit", Mausfleder sah aus, als wolle er gleich anfangen zu weinen.
"Jeder sagt, ich sei hässlich, aber ich finde mich schön", er sah ein bisschen trotzig aus.
" Das biste auch," sagte Ei Nummer Drei in
tiefem Bass, "mindestens
so schön, wie das Krokodil, das in meinem
Schokohaus wohnt,
warte, ich frage mal, ob das sich noch immer
einsam fühlt,
denn mit dem Gejammer hats mir schon den ganzen
Tag verdorben."
Ei Nummer Drei horchte kurz in sich hinein
und rief dann erfreut:
" Wußt ich es doch, dem wäre sogar
der Teufel als Gesellschafter recht,
kannst also einsteigen.
Aber aufgepasst, wilde Jagd in mir dulde ich
nicht, sonst kriegt
meine Schokoladehaut Risse und das darf ja
nicht sein, wir müssen
heil in Laudenbach ankommen.
Nun müßt Ihr wissen, alle Schokoladeneier
sind in zwei Hälften
zusammengesetzt und haben in der Mitte eine
Naht, die man
wie einen Reißverschluss öffnen
kann.
Zwerginchen hatte sich inzwischen vor Ei Nummer
EINS aufgebaut,
das mürrisch dreinblickte und sagte mit
seiner hellen, zarten Stimme:
" Meinst Du nicht auch, ein Ball ist doch
zum spielen da und was wäre
schöner, als wenn ich bei Dir mitfahre
und schon man nachsehe
ob der Ball auch ein Fußball ist, denn
kleine Jungs mögen nur
Fußbälle."
"Das ist aber listig", sagte Ei Nummer
EINS und grinste, da haste
aber Glück, dass ich den Ball nicht zu
fragen brauche, ob Du mit ihm
spielen kannst, das entscheide ich ganz allein,
sieh also zu, dass Du reinkommst,
aber der Feuerball, der soll zusehen wo er
bleibt, der ist mir zu frech."
Sprachs und öffnete seinen Reißverschluß
für Zwerginchen.
Jetzt standen nur noch Jumbinchen und der Feuerball
herum und
Ei Nummer Vier und Fünf sahen nicht so
aus, als wollten sie sich für die beiden öffnen.
"Also in mir ist ein Eimer Eierpunsch", sagte
Ei Nummer Vier,
"wenn ich da den Feuerball reinlasse, dann
fällt er in den Eimer
und aus ist es mit ihm. Er wird wie eine Kerze
erlöschen."
"Das geht wirklich nicht sagte Ei Nummer FÜNF,
"bei mir ist’s auch
nicht besser, in mir wohnt ein Mäuschen
und wie man weiß,
haben Elefanten schreckliche Angst vor Mäuschen."
"Pah", lachte Jumbinchen, "aber das ist doch
gar nicht wahr, wir haben
höchstens Angst, die Mäuschen zu
zertreten, aber ich bin doch eher
ein Mini-Elefant, bei mir könnte das
Mäuschen auf dem Rüssel sitzen
und Schiffschaukel spielen".
"Na dann", Ei Nummer FÜNF sah sehr beruhigt
aus, "dann steig mal ein,
das Mäuschen wird sich freuen, es hat
schon den ganzen Abend mit sich
selber gespielt, Schiffschaukel wird ihm gefallen."
Ei Nummer Vier und der Feuerball sahen sich schweigend an.
Keiner von beiden sprach, aber die Augen des Feuerballs bettelten.
"Schon gut", sagte Ei Nummer VIER dann endlich,
rein kannst Du
zwar nicht, aber ich erlaube Dir, Dich unter
meine Silberpapierhülle
zu schieben, aber ich warne Dich, verhalte
Dich ruhig auf der Reise,
und knistere mir nicht die Ohren voll Du Schreihals".
"Niemals". Der Feuerball sah beleidigt aus,
"ich kann mich doch benehmen, wenn ich muss."
Vorsichtig öffnete Ei Nummer Vier seine
Silberpapierhülle und
Feuerball wickelte sich zärtlich schnaufend
um das Überraschungsei,
das dann seinerseits ein bisschen knurrte,
es aber gar nicht so übel
zu finden schien, von einem Feuerball umarmt
zu werden.
Feuerball hatte all seine Wärme in sich
verborgen und die wollte er
erst wieder rauslassen, wenn er bei dem kleinen
Markus in Laudenbach
angekommen sein würde, denn er wusste,
sonst würde ja die
Schokolade um Ei Nummer Vier schmelzen und
das wollte er
dem freundlichen Ei doch nicht antun.
So kam es dann, dass diese zehn Gesellen zusammen
in der Reisetasche
von Tante Klärchen nach Laudenbach reisten
und dort wartete wirklich der
kleine Markus und nahm sie mit Freudengeheul
in Empfang.
Alles geschah, wie es vorausbestimmt war.
Markus hatte nun jede Menge Spielsachen ,
ein Pony und einen Engel,
einen Ball und einen Zwerg, einen Elefanten
und ein Mäuschen,
eine Fledermaus und ein Krokodil und einen
Eimer Eierpunsch,
der Feuerball aber saß in der Nacht
auf dem Kinderbett und erleuchtete
das Kinderzimmer in der Weihnachtsnacht.
Die Schokoladeneier aber, die waren - jeden
Tag eines von ihnen -
singend vor Freude durch Markus Speiseröhre
in den kleinen
Kindermagen geschlüpft und fanden dort
alles vor, was man ihnen
versprochen hatte, sogar die Vitamine, die
überhaupt nicht eingebildet waren.
Markus war ein guter Esser, an diesem Tag hatte
er auch noch
Schoko-Eis vertilgt und das kannten
die Schokoladeneier noch aus der Schokoladenfabrik
und feierten
mit allen fröhliches Wiedersehen auf
einer weihnachtlichen Gummibärchen-Party.
Markus aber schlief , satt, zufrieden und glücklich.
Copyright L.Warmeling