liebet einander.....
„Solange
es einen einzigen Menschen gibt, den wir nicht mögen,
gibt es keinen Frieden für uns!
Lieben
wir unsere Feinde, und zwar nicht in Form der Wörter,
sondern im Geist und
Herzen?
So können wir sie heilen und unsere Beziehungen verbessern.
Eine Nervensäge
signalisiert ihre Bedürfnisse an Liebe und Achtsamkeit.“
Im
gleichen Tenor erging sich dieser Heilsbringer und Richtungsweiser für die
Mitglieder der Community noch ein paar
Forumsbeiträge lang und ich wartete
eine
Weile mit angehaltenem Atem, wie die Reaktionen wohl ausfallen mochten.
Das war
doch ein Reizthema..oder?
Das konnte
dieser fernöstlich angehauchte Knabe doch nicht wirklich ernst meinen.
Die
Nervensägen in meiner Umgebung wirkten absolut nicht so, als signalisierten
sie
ihr Bedürfnis nach Liebe und Anerkennung, sie waren ja nicht alle dämlich,
merkten also durchaus, dass sie ihre Umgebung eher tyrannisierten als Liebe zu
erheischen.
Ein
Verhalten, das im realen Leben kaum geeignet sein dürfte,
tatsächlich
vorhandene Bedürfnisse je zu befriedigen.
Sie tickten
also durchaus richtig genug, zu bemerken, dass man sie mied,
was dann wohl
ausschließt, dass ein Bedürfnis an Liebe je bestanden hätte.
Die Sucht Aufmerksamkeit zu erreichen, schon eher, selbige wurde dann
auch absolut
erfüllt und den Nervensägen in Form von allseitiger massiver Ablehnung zuteil.
Dann trudelten sie ein, die Reaktionen.
Keinesfalls immer auf dem Boden der Realität
angesiedelt, oder auch nur bereit,
die Gesellschaft in der wir alle nun mal
leben, mit klarem Blick in die Aufforderung
einander zu lieben, einzubeziehen.
Das ist dann allerdings unter Wunschdenken einzuordnen.
Es kam aus der Reihe jener, die man gemeinhin als Seelchen bezeichnet.
Sie wissen zwar, die Dinge
werden nie so sein, wie es der Vorbeter fordert,
sie nehmen sie sicher auch
nicht so wahr, aber sie wünschen sich verzweifelt eine Welt,
die diesen Idealen
zumindest nahe kommt.
Als unser
Traumtänzer dann aber schrieb:
„Ein
spiritueller Mensch ist die Wärme, die Liebe und das Licht.
Er denkt nicht, wen
er lieben sollte. Er liebt nur.
Und sein Vorbild ist die Sonne. Sonne gibt
alles was sie hat großzugig weiter,
ohne sich einmal Gedanken zu machen, wer
dessen wert ist.
Die Menschen, die noch nicht glücklich sind, haben noch den wahren Sinn ihres
Lebens nicht gefunden.
Sie glauben, dass sie es erkannt haben, aber sie irren
sich.
Wer den Sinn seines Lebens gefunden hat, bewertet niemanden
und ist in
Frieden mit sich und mit allem und alles.
In Liebe Ha....“
da wurde die
Unterhaltung etwas lebhafter.
Nachdem
diese Lichtgestalt sich in der Folge mehreren gezielten Fragen einer
Teilnehmerin mit neuen diffusen Liebesaufforderungen entzog und jede seiner
Episteln mit den Worten
beendete * in Liebe* Ha.. kam dann doch ein energischer Versuch,
sich dieser
allumfassenden Liebe zu entziehen.
Die
Schreiberin entgegnete zwar nicht, dass ein Vergleich mit der Sonne schon deshalb hinke,
weil ein nachdenkliches Himmelsgestirn bisher noch in keiner Sternenkarte erfasst wurde,
aber sie sagte dann doch:
„Dachte
ich mir schon, Ha.., dass du keine
Fragen beantwortest.
Aber bitte unterlasse es, mich zu lieben.“
Peng.
Sofort
stellten sich die Liebesbefürworter in Position, entschlossen, diesen in sich
ruhenden,
aber leider die Realität leugnenden Gutmenschen zu verteidigen und
wenn schon nicht ihn,
so doch den Spiritismus in seiner Gesamtheit.
Wer also
nicht fähig sei, spiritistisch zu denken, solle sich doch trollen, hieß es.
Aber,
aber, schon vorbei mit Liebe und Duldsamkeit?
Das
ging aber schnell.
Brach
schon die Realität menschlichen Seins in diese erlauchte Runde ein?
Wie
erheiternd.
Kaum zu
glauben, wie perfekt es wieder funktionierte.
Die Seelchen
fuhren ihre Stachel aus und wurden zu dem, wovon sie sich gerade
mit laut
geäußerter Abneigung verabschiedet hatten, zu egoistischen und rechthaberischen
menschlichen Monsterchen der gehabten Couleur, die sich nicht entblödeten,
gegen Andersdenkende den tadelnden Eingriff der Forumsleitung zu fordern.
Hölle und
Teufel, sie wollten zwar erkennbar alle geliebt werden, aber der dünne Firnis
der
Sanftheit hielt nicht einmal einen einzigen Andersdenkenden aus,
womit dann
zweifelsfrei der Beweis erbracht war, was Wunschdenken und was menschliche
Natur ist.
Eine, die
nichts was heute bekannt ist je verändern wird, es sei denn,
die Genforschung
ist endlich soweit, die Lebensform Mensch völlig umzuprogrammieren.
Dennoch
gabs einen Beitrag in dem Getümmel, dem man sich zumindest in großen
Bereichen
anschließen kann:
„Das, was
du Geist nennst über den Dimensionen, ist mir als Bezeichnung recht.
Trotzdem
sehe ich es als mein Gleichgewicht, als meinen Schwerpunkt.
Alles was mein
Gleichgewicht, meinen Schwerpunkt stört, werde ich, wenn ich es nicht
abwehren
kann, versuchen zu umgehen.
Darum werde ich jeder "Nervensäge" aus dem Weg gehen.
Wo ich das nicht
kann, werde ich versuchen sie zu beseitigen.
Gelingt mir das nicht, trage ich
diese Nervensäge wie einen Mühlstein um meinen Hals.
Mein Gleichgewicht ist
gestört. Darum versuche ich dieser Lage immer mit allen Mitteln
zu entkommen.
Ich kann aber dieses Gleichgewicht nicht dadurch herstellen, indem ich die
"Nervensäge" liebe.
Es ist nun mal mein Gleichgewicht und nicht ein
kosmisches oder imaginäres.
Ich sehe das so, nur dadurch, dass ich das für mich
erreiche, ist auch ein Übergang zu
einem kosmischen Gleichgewicht denkbar.“
Kosmisches Gleichgewicht galt es zwar dann
auch näher zu definieren,
aber der Schreiber hatte zumindest seine Bodenhaftung
nicht verloren,
wobei ich hoffe, er hat mit beseitigen nur einige
Kilometer Luftraum zwischen sich
und der Nervensäge gemeint.
L. Warmeling