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Erotischer T O D
Sie stand in dieser Nacht so plötzlich
vor seinem Lager,
als habe sie sich aus dem Nichts materialisiert.
Schwarze Augen, ihm zutiefst vertraut, sahen
ihn unverwandt an.
Sie hielt seinen Blick auf eine so intensive
Weise fest, daß er sich nicht zu rühren wagte.
Sie war hinreißend schön.
Ihm war, als hätten Hirn und Lenden gleichzeitig
die Vision einer Frau geschaffen,
die ihm den Atem nahm.
Das tiefschwarze Haar lag wie ein schimmernder
Helm um den schmalen, edlen Kopf,
in dem schlanken Nacken zu einem lose geschlungenen,
schweren Knoten gebunden.
Sie hatte die samtene Haut einer Inka-Göttin, schimmernd in mattem Goldton.
Die Lippen eine Offenbarung, voll und sinnlich,
ohne allzu weich zu wirken.
Dieser Mund sah aus, als sei er es gewohnt,
Befehle zu erteilen.
Die tiefdunklen, großen Augen tauchten bis auf den Grund seiner Seele.
Er erschauerte.
Sie sprach lange Zeit nicht, sah ihn nur an.
"Gib mir deine Hände!"
Es waren nur vier Worte, keineswegs eine Bitte,
und nicht einmal hörbar.
Fast ein telepathischer Befehl.
Fast willenlos gehorchte er und spürte
ein unendliches Glücksgefühl wie
einen Feuersturm durch seinen Körper
rasen, als sie ihre langen schlanken
Finger mit den seinen verflocht und damit
auf eine so unnachahmlich
intime Weise Besitz von ihm ergriff, dass
er sein Leben gegeben hätte,
diesen Moment auf immer festzuhalten.
Er war ihr Geschöpf, und er wußte es.
Unfähig, die Augen von ihr abzuwenden,
bot er sich ihr mit jeder Zelle
seines Körpers an, doch sie schüttelte
fast unmutig den schönen Kopf.
Er zitterte vor Verlangen, aber ebenso vor
Enttäuschung; ihr NEIN
würde ihn zerschmettern, lebensunfähig
machen, ihn auf immer
ausgelöscht zurücklassen.
"Gehorche meinem Willen, JETZT...wie jedesmal,
wenn ich dich rufen werde!"
Ihr Befehl durchzuckte sein
Gehirn fast peitschenartig.
Sie schien Alles zu fordern und für
einen Augenblick ängstigte ihn der Gedanke,
wie vollkommen seine seelische, körperliche
und geistige Unterwerfung sein würde.
Dann ergab er sich, nicht willenlos, sondern
mit jener bedingungslosen
Leidenschaft, deren Ziel nur die totale
Verschmelzung sein konnte.
Sein Hirn schien zu explodieren, er bäumte
sich auf, gierig, sich ihr rückhaltlos
anzubieten, willfährig bis zur Ekstase.
Sie war überall, in seinem Geist, seiner
Seele, und umschloß ihn in
gnadenlos fordernder Liebe, bis jedes Atom
seines Körpers sich lustvoll unterwarf.
Sie nahm seine Hingabe entgegen wie einen Tribut
der ihr zukam, und
führte ihn weit über bisher gekannte
Grenzen.
Er hörte auf zu denken.
" Die Akten können wir schließen ," sagte Kommissar Petersen, der Mann
starb
an einer Überdosis Viagra im Domina-Studio. Die Dame der Lust
hat wohl ihre
Arbeit gründlich gemacht, aber daran ist ja weder etwas
Verwerfliches, noch
ist es verboten, der Tote hatte nur das Pech, dass
seine Fantasie nicht im
Einklang mit seinem Medikament funktionierte.
Aber das wird er niemandem mehr
erklären müssen, nicht mal seiner
Ehefrau."
Villenvorort-Köln: Haus
des Toten:
"Klappt unser Deal," sagte die Domina und legte beide Hände
mit den
Innenflächen nach oben auf den Glastisch.
"Aber gewiss," die
Dame in Trauerkleidung lächelte, er
wurde ordnungsgemäss entsorgt und Sie
werden in Kürze, wie
versprochen, über 250 000 Euro verfügen
können
Die beiden Damen trennten sich mit einem festen
Händedruck.
Die Witwe nahm das Foto des Verstorbenen mit dem kleinen
Trauerflor
von der Anrichte.
" Siehst Du Theo, so kriegt jeder was er
verdient, Du den Tod für
dreissig Jahre Ehehölle und ich die Freude Dir dazu
verholfen zu
haben.
Und jetzt mein Lieber, erlaube ich Dir, mir die
nächsten dreissig
Jahre dabei zuzusehen, wie es sich mit den von Dir
angehäuften fünfzig
Millionen lebt. Glaube mir, es wird nicht langweilig
werden.
Lächelnd stellte sie das Foto ganz vorsichtig wieder auf die
Anrichte
zurück.