Der rosa Slip
als Gemeinschaftsarbeit geplant
aber dann...
Unschuldig rosa, nicht sündig schwarz, so lag er da, direkt neben den hausinternen Briefkästen.
Nicht
zerknüllt, wie ETWAS, das jemand achtlos weggeworfen hatte, sondern
ausgebreitet , regelrecht *drapiert* wie in der Auslage eines teuren
Wäschegeschäftes.
Niedlich dachte Franz, wer hat denn da wohl seine exhibitionistische Phase mitten im Flur eines Hochhauses austoben wollen?
Vorsichtig
umkreiste er das seiden schimmernde Objekt, bemüht, die erkennbare
Symmetrie nicht durch einen rohen Tritt seiner hochhackigen
Lacklederstiefel zu zerstören.
Lächelnd griff er dann in seine
hoch aufgetürmte Frisur, nestelte an der Rose, die ihm ein Bewunderer
dort nach der Show befestigt hatte und legte sie zart mitten auf das
Höschen.
Aus einem Slip ein Kunstwerk zu machen, schien ihm an diesem grauen Wintermorgen die einzig passende Reaktion.
Fröhlich
pfeifend wandte er sich dem Treppenhaus zu, bereit, wie an jedem Morgen
nach einer heißen Transvestitennacht, sein Appartement im dritten Stock
anzusteuern, bevor das Haus erwachte und die verächtlichen Blicke der
Concierge ihm den Tag verderben konnten.
Der nächste
Hausbewohner, der den Fahrstuhl verließ und erstaunt vor der Collage
stehen blieb, war der alte Hannibal aus dem achten Stock.....
"Pfui Tinchen, rügte er seinen weißen Spitz, und zog an dessen roter Leine, das ist nichts für Dich."
Dann bugsierte er den Hund vorsichtig um das Objekt, schüttelte den Kopf und seine trüben alten Augen blieben völlig unberührt.
Er schien nicht einmal mehr Neugier zu empfinden.
Unterdessen
kam Klaus Semmel von der Nachtschicht im Motorenwerk zurück und stieß
auf den alten Hannibal, der seinen Spitz fast aus der Haustür in den
kalten Morgen hinaus schleifen musste.
Der blieb zwar kurz stehen und sah ihn an, aber er antwortete nicht auf Semmels Morgengruß.
Wahrscheinlich war er in Gedanken versunken.
Als der Spitz über Semmels Schuh das Bein hob, ging der schnell weiter, wo er prompt auf das zarte rosa-rote Arrangement traf.
Verdutzt ging er näher und beäugte es neugierig.
Auf seinem Gesicht erschien ein breites Grinsen.
Mit
dem alten Hannibal hatte das hier wohl kaum etwas zu tun., oder sollte
der etwa eine nächtliche Orgie mit de drallen Hausmeisterin gefeiert
haben und das hier waren die zu spät entfernten Liebesattribute?
Mit einem Auflachen stieg Semmel in den Lift. Der alte Hannibal! Solch ein Schwerenöter!
"Hi Udo" begrüßte er den flotten jungen Mann,
der im hellen Kaschmirmantel in der Liftecke hing wie am Bartresen.
"Na, schon wieder einen drauf gemacht?"
Dem
hing die Zigarette baumelnd im Mundwinkel und er sah Klaus Semmel aus
glasigen Augen an, einen unverständlichen Gruss murmelnd.
"So schlimm ist es Udo?" Klaus grinste.
Udo nahm bedächtig die Zigarette aus dem Mund und nuschelte: "Ach wenn's nur das wär, viel schlimmer.
Da kommt Mann in seine besten Jahre und sieht nur einfach wie solch rosiges Schwein aus.
Schöne Farbe, straffe Haut, zudem wohlgenährt........ aber es fehlt jene Ausgezehrtheit nach Leben.... "
"Ja, ja," Klaus klopfte dem Jüngling beruhigend auf die Schulter; "Hauptsache die Welt weiß wie toll Du bist.
Was
macht es da schon aus, dass Du in Deiner üblichen Verfassung schon nach
fünf Meter Sprint japsen würdest, so was kann man immer vertuschen.
Sieh
mich an, mein Weihnachtsgeschenk wäre, wenn ich an der Kinokasse nach
dem Alter gefragt würde, aber so ist das Leben Kleiner, keiner von uns
beiden wird je blonde Knaller aufreißen und die rosa Slips werden auch
immer nur für die Macker ausgezogen, unsereiner kriegt allenfalls
mal die von Schießer zu Gesicht , aber dafür ist der Inhalt dann auch
doppelt so umfangreich wie der Knackpo von der Blondine, die im dritten
Stock wohnt," er seufzte belustigt.
Udo sah Klaus verständnislos an und schwankte als der Lift ruckartig auf seiner Etage hielt.,
"
Sorry" presste er durch die Mundwinkel, und seine glühende Zigarette
wippte gefährlich auf und ab, "ich habe eine Regel; Jedes Gespräch
aufgreifen.
Wenn man nicht weiß, worum es sich dreht, ist das besonders interessant, das kann dann in jede Richtung...ach Du weißt schon."
Er hatte den Faden verloren und stolperte trunken aus dem Lift.
Na
der hat schon mal nichts mit dem Arrangement in der Halle zu tun,
murmelte Klaus belustigt, würde mich wundern, wenn der überhaupt noch
fähig wäre, ein solches Ziel anzusteuern, bevor er vergessen hat,
was er tun muss, wenn er es zufällig doch erreicht."
Im
nächsten Stockwerk hielt der Lift erneut und Klaus fluchte leise, heute
kam er wohl gar nicht mehr ins Bett, um diese frühe Stunde wars doch
sonst nicht so unruhig in diesem Haus.
"Wer überall seinen
Senf dazu gibt, kommt in den Verdacht, ein Würstchen zu sein! " brüllte
die matronenhafte Frau in dem schweren Morgenmantel in den Flur zurück
und sah ihn so wütend an, als sei er die Ursache für ihren Wutausbruch.
"He, he Frau Strotzki, stimmt was nicht?"
Klaus sah die schwer atmende Mittvierzigerin beschwichtigend an.
"Kann
man wohl sagen , das Grundübel liegt wohl im Bedürfnis nach
Kommunikation, selbst wenn man nicht weiß was man redet, möchte man es
sagen und darin ist mein Karl einsame Spitze".
Energisch
drückte sie auf den Bedienungsknopf des Erdgeschosses und Klaus beeilte
sich, ihr zu erklären, dass der Lift aber nach oben fahre und sie also
besser gewartet hätte.
"Nicht bei dem," sie sah noch immer so
wütend aus, dass Klaus Semmel ahnte, Karl Strotzki war nur per Zufall
ihrem tätlichen Angriff entkommen.
" Dieser Kerl gleicht der
Bisamratte Tschutschundra, die ihr Leben lang weinte, weil ihr der Mut
fehlte in die Zimmermitte zu laufen."
Sie schnaubte verächtlich.
" Wie, was" Klaus sah die Strotzki offenen Mundes an.
" Ach, Inge Strotzki winkte verächtlich ab, "wenn Sie Strugatzki nicht kennen, sagt Ihnen auch Tschutschundra nichts".
" Na ja," Klaus lächelte die erzürnte Matrone freundlich an, "Hauptsache, Ihr Mann gefällt sich als Bisamratte,"
die Unterhaltung nach dieser anstrengenden Nacht wurde ihm zu beschwerlich.
"
Dieser intellektuelle Trockenpisser hat doch wahrhaftig gemeint, es sei
mein rosa Slip, der da samt der Rose in der Halle rum liegt wie die
Pralinen in der Auslage des Schoko-Ladens gegenüber."
Inge
Strotzki reckte wütend ihr Doppelkinn empor, "und dabei war ich nur
unten und habe die Zeitung aus dem Briefkasten geholt, mehr nicht.
Reiner
Zufall, dass ich nackt bin unter dem Morgenmantel, aber dem werde ich
es zeigen, ich gehe jetzt in die Halle und hole das corpus delicti,
damit dieser Schwachkopf sieht, das Ding kann mir gar nicht gehören."
Der
Lift hielt ruckartig auf Klaus Etage und der wandte sich beim
Aussteigen noch einmal an die wütende Frau in dem gelbgestreiften
Morgenmantel der
ihr das Aussehen einer schwangeren Biene verlieh.
"
Na ja," sagte er begütigend und grinste verschmitzt, " war's nicht
Kafka der gesagt hat, jeder der sich die Fähigkeit erhält Schönes zu
erkennen, wird nie alt.
So betrachtet muss Ihr Karl 25 sein und
Sie immer noch mit den Augen der Liebe betrachten, es ist ihm gar nicht
aufgefallen, dass in das rosa Spitzenhöschen nur die Hälfte von Ihnen
reinpasst".
Die Lifttür schloss sich und Klaus erhaschte
gerade noch einen Blick auf Inge Strotzki, die mit offenem Mund in der
Mitte des Liftes stand, mit beiden Händen den Morgenmantel in Brusthöhe
umklammerte und ihren üppigen Busen vor jedem unbefugten Blick
abschirmte.
Unverschämtes As murmelte Inge
trotzki…wiederum, ihr Karl war auch nur ein Mann, die
Wahrscheinlichkeit, dass er emotional gar nicht so unterernährt war,
wie sie ihn einstufte, konnte ja auch bedeuten, dass er wirklich nach
all den Jahren noch so etwas wie Eifersucht empfand. Konnte das
nicht auch ein Zeichen der Liebe sein…oder.
Verunsichert starrte sie wenig später auf das rosa Höschen. Ja, wirklich, das konnte man nur schwer für ihres halten.
Fast hätte sie es triumphierend schwenkend mit sich genommen, als sie die Rührung überkam.
Irgendwie
doch herzbewegend der Gute. Er hatte anscheinend nicht gemerkt, dass
sie in den Jahren ihrer Ehe langsam aber sicher zum Walross mutiert
war.
Dieses zarte Ding da hätte schon mehr als 20 Jahre keine Chance mehr gehabt, in ihrem Wäscheschrank zu landen.
Sie
lächelte etwas wehmütig. Kafkas Ausspruch allerdings, den konnte ihr
Karl wohl kaum noch auf sich selbst beziehen, sein Bauch sprengte schon
seit Jahren fast den Hosenbund und die nutzlosen Bemühungen mit
irgendwelchen teuren Wässerchen die frühere Üppigkeit seines Schopfes wiederherzustellen, hatte er schon lange aufgegeben.
Zumindest
aber hatte ihr eifersüchtiger Othello nicht nur die Schönheit des
Wäschestücks erkannt, sondern auch die seiner Frau noch in so lebhafter
Erinnerung, dass ihm wohl ein paar heiße Gedanken gekommen sein mussten.
Welchen Grund hatte sie also, ihm zu zürnen.
In
freudiger Erwartung drückte sie wieder auf den Knopf nach oben, fest
entschlossen aus diesem Tag und der für sie so schmeichelhaften Unterstellung ein paar verliebte Stunden zu machen.
Das Glück ist im Hier und Jetzt; wir sollten nicht darauf warten oder glauben, es hänge von den Umständen ab.
Das Glück der Vergangenheit ist vorüber.
Die Fähigkeit glücklich zu sein erfordert also die Aufmerksamkeit für das, was im Jetzt geschieht.
(Terry Lynn Taylor)
Im
gleichen Moment öffnete sich die Tür zur Wohnung der Hausmeisterin, sie
schoss regelrecht in die Halle hinaus, spähte suchend umher ......
Der
Dicke aus dem zehnten Stock hatte angerufen und verlangt, dass sie das
Attribut der Sünde in der Eingangshalle abräumte, ehe die Kinder in die
Schule mussten.
Das hier war also was?
Ein in der Nacht in der Halle stattgefundener Sündenfall?
Dann schon eher die Hinterlassenschaft einer von Strotzkis Miezen.
Seine Frau arbeitete in der Briefverteilung und ahnte nicht, dass die Flittchen in ihrer Wohnung ein und aus gingen.
Unwirsch stemmte die Hausmeisterin die Hände in die Hüften.
Nein, sie würde diesen Beweis für Strotzkis Untreue nicht weg werfen.
Sollte seine Frau nur sehen, was er trieb.
Ebenso hastig, wie sie vorher die Eingangshalle betreten hatte, stürmte sie in die Wohnung zurück.
Verfluchte Männer!
Kaum bekam die Ehefrau Formen um die Hüften, suchten die sich Jüngere, Dürre!
Lahme Enten auf Wackelgang brummte die Autorin enttäuscht.
Da reisst man sich den A.. ..auf um Schwung in diese schreibende Mädchenrunde zu bringen und was passiert?
Die lassen doch glatt den rosa Slip liegen als hätte ihn schon mal jemand getragen und ungewaschen dort abgelegt.
Das fasst man ja nicht, keine romantische Ader ?
Eine erotische schon gar nicht?
Seidig oder sündig, alles egal, wirklich?
Okay, so solls denn sein.
Hi Mädels.. ich bin dafür, wir lassen Strotzki den blonden Engel aus dem dritten Stock demnächst im Lift verführen.
Seine üppige Ehefrau mit Hannibal durchbrennen.
Dessen
Spitz mit der Dogge vom Fleischer eine unheilige Allianz schließen und
die Concierge mit Udo dem Kaschmirmantel gen Clondike auswandern, wo
sie dann soviel Gold schürfen, dass sie das Hochhaus käuflich erwerben
und daraus einen Luxus-Call-Girl-Schuppen machen können.
Einzige Konzession an die Story...alle Lampenschirme in dem Etablissement sind aus rosa Seide in der Form von Damenslips.
Was haltet Ihr davon Mädels??
Doch die Mädels hatten sich längst aus der Story ausgeklinkt.
Es
wurde nie enthüllt, ob der rosa Slip eventuell schriftstellerisch
brauchbar gewesen wäre, die zehn Parteien in dem Hochhaus endlich mal
miteinander bekannt zu machen und dabei möglicherweise neben Verwirrung
auch noch Liebesverhältnisse zu stiften, denn ..die Autorenriege hat
gekniffen …
Das Experiment einer schriftstellerischen Zusammenarbeit blieb auf der Strecke.
Und
so hängt er jetzt über meinem Computer an die Wand genagelt, neben ihm
die Rose, bereit, jederzeit in einer anderen Story verwendet zu werden,
mit der ich mich dann allerdings beeilen müsste, ehe das Ding Staub
ansetzt und die Rose ihre Blätter verliert.