Sie stimmt nicht die Behauptung, dass man im
Angesicht des Todes sein ganzes bisheriges
Leben noch einmal an sich vorbeirasen sieht.
Der Teufel weiß, wer solche Dinge aufbringt,
ich dachte jedenfalls in dem Moment als
der Killer seine Waffe auf mich richtete,
nur daran, dass ich morgen eigentlich zur
Fußpflege wollte, heute früh keine
Zeit gefunden hatte, meine Unterhose zu wechseln
und keine sehr gepflegte Leiche in der Pathologie
abgeben würde.
Ein Adonis war ich auch sonst nicht,
eher eine optische Herausforderung wie meine
*Immer-mal-wieder-Gespielin * Isabell
behauptete.
Aber Isabell behauptete so einiges, wenn sie
sich über mich ärgerte.
Noch vor meinem Zeitsprung hatte sie vermutet,
dass ich wohl ein Problem mit
meinem Sprachzentrum hätte, das mich
hinderte, bei langbeinigen Blondinen NEIN zu sagen.
Jetzt aber sah es so aus, als würde
ich jäh aus dem Leben gerissen in ETWAS,
das jenseits der Vorstellungskraft liegt und
die Trivialität der Gedanken, die auf mich
einstürmten, passten so gar nicht zu
diesem einmaligen Ereignis.
Er schoss und ich wunderte mich, dass ich
keinen Schmerz verspürte.
Dann erst merkte ich, dass die Kugel haarscharf
an meinem Ohr vorbeigesaust war.
Hatte er mich verfehlt? Auf die Distanz? Unmöglich.
„Na wie gefällt Dir das?“ Er grinste mich
mit schadhaftem Gebiss an und kurz verspürte
ich Genugtuung, ihm zumindest vor meinem Ableben
die Vorderzähne eingeschlagen zu haben.
Er schoss erneut, diesmal schlug die Kugel
unmittelbar vor meinen Zehen ein.
Ich unterdrückte gewaltsam die Reaktion
wie ein Karnickel hoch zu springen und sagte
betont lässig; „ na ja, was den Unterhaltungswert
betrifft , kann meine letzte Darmspiegelung
da ungefähr mithalten.
Schon als ich es sagte, wusste ich, diese imitierte
Jerry Cotton-Masche würde ihm kaum
die Falten aus der Hose hauen, es war einfach
nur strohdämlich, ihn auch noch zu reizen.
Barmherziger Gott, rief ich und erhob beide
Hände gen Himmel, von Dir kommen wir
und zu Dir werden wir – wenn auch nicht immer
freiwillig - wieder gehen.
Es klappte, im gleichen Augenblick als meine
beiden Hände über die in meinen
Ohrläppchen implantierten Beamer ragten,
rutschte ich in der Zeitschiene nach vorne,
entkam der gefährlichen Situation und
landete aus einer Kneipenschlägerei im Chicago
der Vierziger in der deutschen Gegenwart des
22. Jahrhunderts.
Das Letzte was ich sah, war das total verdutzte
Gesicht meines Kontrahenten.
Leider aber verpasste ich dann doch um Haaresbreite
meinen Entsendungsort und
tauchte nicht – wie angepeilt – im Zeitschienensektor
der Rückführungsgesellschaft
wieder auf, sondern im Tanzstudio von Beate
Kümmerlich, genau fünfzig Jahre
vor meiner eigenen Zeit.
Bei meinem letzten Besuch hatte sie mich massiv
sexuell bedrängt...und ich hatte JA gesagt.
Wahrscheinlich war zu dem Zeitpunkt wohl gerade
der Hypnosestrahl ihres Heimatplaneten
auf mich gerichtet, anders kann ich mir diesen
Leichtsinn nicht erklären.
Die gute Beate hatte nämlich einen ausgesprochenen
Tick, sie behauptete, ihre Wiege habe
in der Andromedagalaxie gestanden, was sie
für Erdenmänner unwiderstehlich mache.
Leider aber passte sie so gar nicht in mein
Beuteschema und deshalb hatte ich dann
auch die Kurve gekratzt, wobei ich mir einredete,
dass ich Isabell Treue versprochen
hatte auf meinem Trip durch die Zeiten..
Ich gedachte zwar nicht, mit Isabell eine
feste Bindung einzugehen, aber offenkundige
Promiskuität hätte unsere Beziehung
unnötig kompliziert.
Wie gewagt meine fehlerhafte Landung war,
erfuhr ich in genau dieser Sekunde.
Kaum hatte Beate mich erblickt – ich materialisierte
mich mitten in ihrem Tanzstudie –
da schrie sie auch schon gellend, „Security,
Security,“ was in diesem Fall ihren
etwas bulligen Rausschmeißer namens
Udo mit gewaltigem Bizeps und tätowierten
Oberarmen auf den Plan rief.
„Catch him, catch him,“ schrie sie in ihrem
etwas sonderbaren Denglich.
„Für den Scheißkerl habe ich mir
die Nase verkleinern, den Po liften und die
Titten vergrößern lassen und das,
obwohl ich ganz bestimmt das Herz auf dem
rechten Fleck habe, aber das kann man schließlich
auch von meinem Hinterteil
sagen,“ fauchte sie erbittert
In dem Moment wünschte ich mir, der Situation
auf einem fliegenden Teppich
aus dem 16. Jahrhundert, üppig gewebt
und persisch gemustert, entkommen zu können.
Zumindest wäre das erheblich fantasievoller
gewesen, als nur die Arme anzuheben
und regelrecht aus der Gegenwart gesogen zu
werden.
Diesmal achtete ich auf die genauen Koordinaten
und landete sanft im Terminal
der Rückführungsgesellschaft.
Meine Zeitreise war beendet.
Jetzt wartete nicht nur der harte Arbeitsalltag
auf mich, sondern ich hatte auch den
üblichen Bericht zu verfassen. Wie zur
Hölle konnte ich mich da herauswinden?
Die Gremien, die mich in das Zeitreiseprogramm
aufgenommen hatten, würden jede
weitere Reise verhindern, sobald sie wussten,
dass ich mich dem süßen Leben in den
Fünfzigern hingegeben und so gut wie
kein Material für Biological Engineering
– meinen Arbeitgeber - gesammelt hatte.
Wir entwickelten eine Fülle neuer Biopharmaka,
mit biotechnischen Methoden produziert
und das Ziel, maßgeschneiderte Medikamente
herzustellen und individuelle auf den
Patienten zugeschnittene Therapien zu erarbeiten,
war greifbar nahe.
Was uns fehlte war eine Probanden-Gruppe, mit
der wir unsere Ergebnisse testen konnten.
Tierversuche gehörten längst der
Vergangenheit an und gerade hatte ein Prozess vor
dem Weltgerichtshof aufgedeckt, dass unser
größter Konkurrent aus dem Rennen geworfen
wurde, weil er seine Testreihen mit staatlich
subventionierten Bürgern
– früher Obdachlose genannt - starten
wollte.
Die Idee, in die Vergangenheit zu reisen und
dort den Boden für weitgreifende Tests
vorzubereiten, kam aus dem Management.
Dass die Wahl auf mich fiel, war dagegen eher
dem Umstand zuzuschreiben, dass
mein Ruf als unkonventioneller Mitarbeiter
größer war, als mein berufliches Renommee.
Zeitreisen waren unerprobt und die Möglichkeit,
dass ich den Einstieg in meine Zeit
nicht mehr finden würde, durchaus gegeben.
Dass ich es nun schon zweimal geschafft hatte,
ohne größere Probleme wieder in
der Jetztzeit zu landen, ließ erwarten,
dass ich auch fähig sein würde, die für uns
nötigen Probanden in der Zeit um 1950
aufzutun und alles vor Ort zu organisieren.
Ich redete mir zwar ein, dass unsere Forschung
auch in der Vergangenheit nützlich
werden konnte, aber meine Bedenken,
ahnungslose Vorfahren ohne ihr Wissen
zahlreichen Versuchen auszusetzen, ließen
sich nicht ganz verdrängen.
Das Tissue Engineering war auch 2175
noch kein voll ausgetesteter Bereich.
Wir beschäftigten uns mit dem Aufbau
von Geweben, das kranke menschliche Organe
oder Organteile ersetzen konnte.
Aber ich kochte durchaus mein eigenes Süppchen.
Wenn ich richtig kalkuliert hatte mit meinen
Aktienkäufen, dann würden in Kürze die
Aufträge für biometrische Sicherheitseinrichtungen
für den gesamten Osten unseres
Planeten anlaufen und die Aktien der Biometrik
AG, die ich zusammen mit meinem
Freund Alex, dem technischen Entwickler der
Biometrik, zu 49% hielt, einen Riesensprung machen.
Noch vor hundert Jahren nahm man
an , dass es keine perfektere Methode der
Absicherung gab, als die Iriserkennung.
Die Iris eines Menschen verändert sich
nie und war auch nicht zu manipulieren.
Dachten zumindest damals die Experten. Das
allerdings erwies sich als Irrtum,
Tüftler knackten auch diese Sicherheitseinrichtung.
Als perfekte Methode erwies sich dann ein einfacher
DNA – Test, der geschlossene
Bereiche nur für Zugangsberechtigte öffnete,
ebenso anzuwenden bei jedem normalen Hauseingang.
Letzteres, einmal in Serie im Handel,
würde uns dann das nötige Kapital beschaffen,
einen Plan umzusetzen, der weitaus fantastischer
war, als Zeitreisen, Organzüchtungen
und DNA-Codes zusammen genommen.
Meine Zeitreiseeinsätze wurden fantastisch
bezahlt, ich hatte das Einkommen eines Sportstars
und lebte auch so.
Es war ungeheuer entspannend, wieder in der
vollautomatisierten Gegenwart zu sein und ich
beschloss, zuerst eine 24-stündige Auszeit
in meinem Heim zu nehmen, ehe ich den
Großkopfeten der T.E. gegenüber
trat.
Entspannt lehnte ich mich in die Polster des
Zubringergleiters, der sich sofort meiner Sitzposition anpasste.
Innerhalb von zehn Minuten brachte der automatische
Pilot mich nach Eingabe meines Zieles
selbstständig zu meinem Feriendomizil
an der Küste.
Ich würde meinen Akku zu Hause aufladen,
alle Termine absagen und ein Verwöhnabenteuer buchen.
Isabell war mir heute zu anstrengend,
für diesen Zweck war Carol passender.
Rasch tippte ich ein paar Zahlen in meinen
Controler, hinterließ meine DNA auf dem
Display und sandte die Stichworte * Carol,
18.30 Uhr* an die Agentur.
Wie vorprogrammiert, empfing mich mein Heim
mit wohliger Wärme, aromatischem Kaffeeduft,
leiser Musik und einem fürstlichen Abendessen.
Der Hausroboter hatte den Tisch gedeckt und meinen Kimono herausgelegt.
Leonhard, mein etwas übergewichtiger,
siamesischer Kater saß abwartend auf der
Daunendecke meines Bettes, während ich
mich wohlig unter der Lichtdusche räkelte.
Auf der Wand gegenüber liefen die Abendnachrichten,
gefolgt von den Börsenkursen
und ich sah zu meiner Überraschung, dass
die Aktien der Biometrik AG bereits einen
entscheidenden Sprung nach oben gemacht hatten.
Alex und ich hatten richtig spekuliert, diese
Investition würde uns beide an die Spitze
des Geldadels katapultieren.
Schnell stellte ich die Dusche auf Körperpflege
und für Sekunden umgab mich
der duftende Strom einer teuren Lotion.
Danach stellte ich mich nackt unter den Medizinroboter.
„ Es bestehen keine körperlichen Beeinträchtigungen,“
säuselte eine sanfte Frauenstimme,
„Ihr Halbjahresscheck beim Internisten kann
ausgesetzt werden.“
Gott sei Dank, meine Zellstruktur hatte auch diese zweite Zeitreise ohne Schaden überstanden.
Ich zauberte per Knopfdruck ringsum auf die
Wände des riesigen Wohnraumes Plagiate
einiger Meister der Renaissance und empfing
Robot Carol nackt, in stimmungsvollem Halbdunkel.
Sie hatte gerade begonnen mich höchst
einfühlsam zu massieren,
als die Videoübertragungswand sich meldete.
Es war Alex.
Er begrüßte mich nicht einmal,
sondern warf nur einen hastigen Blick auf meine Blöße
und sagte schnell, „ prima Kon, bleib
gleich liegen, es gibt jetzt eine Demo, die zieht Dir die Schuhe aus.“
Es schien ihm nicht aufzufallen, dass ich
keine Schuhe trug.
„ Ich verspreche Dir die Sensation des 22.
Jahrhunderts und freu Dich, wir sind es,
die dieses Produkt in Serie herstellen werden,
wir beide kommen unserem wirklichen
Ziel wieder einen ungeheuren Schritt näher,
wirst sehen, wirst sehen.“
Im gleichen Moment schrie ich überrascht
auf.
Eine Gefühlswelle überrollte mich,
ausgelöst von etwas, das sich völlig meiner Kontrolle entzog.
Es war fantastisch, unzählige Hände
schienen sich auf mich konzentriert zu haben,
jede meiner erogenen Zonen mit absoluter Sicherheit
zu erkennen und zu stimulieren.
Selbst wenn ich es gewollt hätte, ich
war völlig außerstande, mich dieser virtuellen
Vergewaltigung zu entziehen, ich genoss, was
mit mir geschah.
„ Jetzt kennst Du die neueste Erfindung auf
dem Biometrik-Sektor und ich denke,
Du musst nicht lange überlegen, welche
Chancen damit auf uns zukommen.“
Alex grinste übers ganze Gesicht. „ Diesmal
warst Du die Testperson und denke nur nicht,
das sei alles, was der Sender kann.
Als Auslöser kann ich bestimmen, welcher
Art die Gefühle des Empfängers sein sollen,
ich bestimme also, was mit Dir geschehen soll
und mir fiel auf die Schnelle nichts ein,
dass Dir überzeugender deutlich gemacht
hätte, wie dieses Ding wirkt.“
Alex strahlte mich von der Videowand
an . Sein blondes Kraushaar stand wie eine
Bürste hoch und seine angestrengt blickenden
Augen waren wie immer leicht gerötet.
„Wir werden mit dem Ding schon bald in Serie
gehen können, das Gerät ist nach
entsprechender Modifizierung in der Lage jede
Gefühlsregung beim Zielobjekt auszulösen,
unabhängig von der Entfernung.
Die Stimulation wird, wie jetzt bei Dir, durch
das Einschalten des Bildtelefons ausgelöst
und ich hoffe, ich muss Dir nicht mehr viel
über das Potential erzählen,
der Emotionsdetektor wird uns unserem Ziel
auf gewaltlose Weise ein ganzes Stück näher bringen.
Und, jetzt strahlte Alex übers ganze
Gesicht, „es ist klar, dass dieser Durchbruch nicht publik gemacht wird.
Ich habe an diesem Projekt alleine gearbeitet,
es nicht einmal zum Patent angemeldet,
das holen wir nach, sobald wir unsere Ziele
erreicht haben, es vorher zu tun hieße,
die Funktion offen zu legen und Du kannst
Dir vorstellen, dass man es uns abjagen würde,
ehe wir auch nur damit in Serie gehen können.“
Und ob ich mir das vorstellen konnte.
Die Erinnerung an Ric. Drexler, den Erfinder
des Nanoassembler – wachgehalten in allen
Schulbüchern – war noch sehr lebendig.
Der Mann hatte versucht, den Hunger der Welt
abzuschaffen und einen Replikator erfunden,
der jeden beliebigen Gegenstand, auch sich
selbst, herstellen konnte, in dem er ihn mit Hilfe
von Nanogreifern Stück für Stück
aus einzelnen Atomen zusammensetzte,
anstatt wie davor üblich, Tonnen von
Rohstoffen und Reagenzien einzusetzen.
Gebraucht wurde dazu nur noch eine Art atomarer
Grundbaukasten.
Ehe Drexler dazu gekommen war, mit seiner Idee
in Serie zu gehen, war er tot.
Es wurde nie geklärt, welche industrielle
Lobby, oder alle zusammen, diese Gefahr für ihre
Produktionsbereiche entsorgt hatten.
Seine Idee starb mit ihm.
Die Suche nach einer geistigen Quelle des
Bösen ist verschwendete Zeit,
der Mensch allein ist durchaus zu jeglicher
Art des Bösen bereit und fähig.
Wir würden uns zu schützen wissen.
„ Alex, soll das heißen Du hast * Traumania* aufgegeben?“
„ Aber nicht doch Kon,, was meinst Du denn
was ich in der Zeit Deiner Abwesenheit getan habe?
Traumania ist einsatzbereit, wir müssen
nur noch darüber nachdenken ob wir es wirklich an die
Vollzugsbehörde weitergeben, oder doch
privat anwenden wollen.“
„ Privat?“ Ich drehte mich so abrupt auf der
Liege um, dass Robot Carol, die inzwischen
ihre Arbeit wieder aufgenommen hatte, ins
Leere griff.
„ Ich dachte, wir wollen mit diesem Kellermann
verhandeln, der Traumania unter staatlicher
Aufsicht für Triebverbrecher einsetzen
soll.“
„ Kellermann?“ Alex fauchte den Namen regelrecht.
„ Dieser verdammte Schleimer hielt
sich doch schon immer für die letzte
Tränke in der Wüste.
Der Kerl begreift einfach nicht, dass Traumania
die Lösung ist, dieses perverse Gesocks zu entsorgen.
Ich habs ihm demonstriert, unseren Prototyp
an einer der Bestien aus der Sicherheitsverwahrung getestet.
Der Kerl schlief ein und hat im Traum seine
Abartigkeit ausleben können.
Er war hinterher so sanft wie ein Lämmchen,
aber natürlich ungeheuer scharf darauf,
Traumania nach Belieben verwenden zu dürfen.
Er hatte ja damit alles, um seine Triebe auszuleben
ohne straffällig zu werden.
Aber Kellermann dieser Narr, hat zwar sicher
einen fühlbaren Puls und den Anflug einer
Gehirntätigkeit, aber ob das reicht,
ihn am Geschehen teilhaben zu lassen, bezweifele ich sehr.
Ich habe ihm klar gemacht, dass Traumania
den Träumenden in die Geschehnisse einbezieht
und er ihren Ablauf je nach Bedarf verändern
und den jeweiligen Bedürfnissen seiner
nächtlichen Aktivitäten anpassen
kann.
Kellermann müsste also begriffen haben,
dass damit nicht nur potentielle Opfer überleben,
sondern auch der gesamte forensische Betrieb
eingespart werden kann, ebenso wie die Strafvollzugsanstalten.
Wer alle seine Triebe mit Traumania ausleben
kann, muss sich nicht in die Gefahr begeben
sie durch Straftaten zu befriedigen.
Er kapiert einfach nicht, dass dieses Programm
derart real ist, dass es als gelebte Wirklichkeit empfunden wird.“
„Dann müssen wir mit dem Ergebnis eine
Stufe höher vorsprechen, Kellermann ausschalten.“
Ich wurde ungeduldig.
„Wieso kapiert dieser Schwachkopf nicht, dass
man mit dem Traumania-Programm 90% aller
Straftaten auf dem sexuellen Sektor vermeiden
kann .
Nur wer trotzdem noch straffällig werden
sollte, wird aus dem Verkehr gezogen.“
Wütend trommelte ich mit beiden Fäusten
auf die Liege und Carol, der weibliche Roboter,
versuchte vergeblich, meine Waden einer intensiven
Massage zu unterziehen.
„ Na ja,“ Alex zögerte, als wisse er nicht,
wie ich seine Erläuterungen aufnehmen würde,
dann schien er sich aber entschlossen zu haben,
deutlich zu werden.
„Ganz so einfach wird’s nicht gehen.
Wir müssen damit rechnen, dass mit der
Einführung von Traumania Probleme auftauchen könne,
an die Du offensichtlich noch nicht gedacht
hast, mein Freund.
Wer sollte z.B. die Menschheit hindern, sich
Realträume jeglichen Inhaltes erstellen zu lassen,
um fortan jede eigene Lebensführung aufzugeben,
weil man sich Erfolge jeder Art Tag und
Nacht erträumen kann, so realistisch,
als ereigneten sie sich wirklich.
Noch eines, wie schützen wir uns davor,
dass unsere Erfindung missbraucht wird und
irgendwelche destruktiven Kräfte uns
das Wissen über Traumsteuerung abjagen und
keine Ruhe geben, bis sie es geschafft haben,
in die Träume ihrer Mitmenschen einzudringen
und deren Unterjochung auf dem Gebiet ebenso
zu betreiben, wie sie es bereits in der realen Welt tun?
Mir stockte der Atem.
„Du hast recht Alex.
Mit Traumania könnte die Erde in nur
100 Jahren verloren sein, jeder Fortschritt erloschen,
jede Innovation wird nur noch im Traum erlebt.
Umzusetzen und zu erarbeiten braucht niemand
mehr etwas, man hat ja zu
beliebiger Zeit seine eigene Realität.“
„Genau,“ Alex schnaufte erbittert, „wir können
also nur eine verschlankte Form dieses
Programms anbieten, es führt kein Weg
daran vorbei, die nötigen Gelder für unser
Genprogramm müssen wir also nach wie
vor aus den Aktien der Biometrik locker machen.
Aber jetzt haben wir ja den Emotionsdetektor.
Wenn der in den Handel kommt, natürlich
reduziert auf erfreuliche Emotionen, dann sind wir solvent.
Was er sonst noch kann, werden wir hübsch
unter der Decke lassen Kon.“
Die Übertragungswand erlosch und ich war
mit meinen Überlegungen allein.
Dachte ich zumindest, bis mich ein leises
Klicken aufschreckte.
Was war denn das? Das klang nach einem
stoppenden Aufnahmegerät.
Wer hatte denn hier.....Carol...ich hatte
die Dienstleisterin völlig vergessen,
immerhin war sie ja trotz aller Lebensechtheit
nur eine Maschine.
Aber offenbar eine mit einem höchst unerlaubten
Auftrag. Das konnte nur bedeuten,
Alex und ich waren in höchster Gefahr.
Jemand spionierte uns aus.
„Genug Carol,“ ich entwand mich ihrem
Massagegriff und sagte sanft, „ geh ins Bett Kleine,
ich buche Dich für die Nacht.“
Sie zögerte für den Bruchteil einer
Sekunde, als sei das eine Anweisung, die nicht
vorgesehen war, ging dann aber mit ihrem aufreizenden
Gang und wippenden Brüsten
aus dem Fitnessbereich.
Ich sprang auf, drehte die Dusche auf den alles
übertönenden Massagestrahl und sandte
zuerst das vereinbarte Gefahrensignal der
höchsten Stufe an Alex.
Die Rückwand der Dusche führte in
einen schwach erleuchteten Geheimgang.
Ich hatte genau für diesen Fall vorgesorgt,
die Überwachungsorgane würden mich nicht erwischen.
Aber lange würde dieses Schlupfloch nicht
unentdeckt bleiben, das wusste ich.
Der Notfallplan funktionierte präzise.
-
Am Morgen des 7.April 2175 meldete die Rückführungsgesellschaft
einen unerlaubten Start
von zwei Personen und einem tierischen Objekt
in die Vergangenheit.
Zieljahr und Ort der Landung konnte wegen
eines Ausfalls der Aufzeichnunsmatrix nicht
ermittelt werden.
Die gesamte Startanlage war zerstört
worden, es würde Jahrzehnte dauern, die Testphase zu rekonstruieren.
2010 in New York.
Die Genforschung hatte trotz aller Widerstände
und Bedenken zu der Überlegung geführt,
dass es ratsam sein könnte, die genetische
Struktur der Spezies Mensch gezielt zu verändern
und das überbordende Gewaltpotential
auszuschalten.
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