2175


Sie stimmt nicht die Behauptung, dass man im Angesicht des Todes  sein ganzes bisheriges
Leben noch einmal an sich vorbeirasen sieht.
Der Teufel weiß, wer solche Dinge aufbringt, ich dachte jedenfalls in dem Moment als
der Killer seine Waffe auf mich richtete, nur daran, dass ich morgen eigentlich zur
Fußpflege wollte, heute früh keine Zeit gefunden hatte, meine Unterhose zu wechseln
und keine sehr gepflegte Leiche in der Pathologie abgeben würde.

Ein Adonis  war ich auch sonst nicht, eher eine optische Herausforderung wie meine
*Immer-mal-wieder-Gespielin * Isabell  behauptete.
Aber Isabell behauptete so einiges, wenn sie sich über mich ärgerte.
Noch vor meinem Zeitsprung hatte sie vermutet, dass ich wohl ein Problem mit
meinem Sprachzentrum hätte, das mich hinderte, bei langbeinigen Blondinen NEIN zu sagen.

Jetzt aber  sah es so aus, als würde ich jäh aus dem  Leben gerissen in ETWAS,
das jenseits der Vorstellungskraft liegt und die Trivialität der Gedanken, die auf mich
einstürmten, passten so gar nicht zu diesem einmaligen Ereignis.
 
Er schoss und ich wunderte mich, dass ich keinen Schmerz verspürte.
Dann erst merkte ich, dass die Kugel haarscharf an meinem Ohr vorbeigesaust war.
Hatte er mich verfehlt? Auf die Distanz? Unmöglich.

„Na wie gefällt Dir das?“ Er grinste mich mit schadhaftem Gebiss an und kurz verspürte
ich Genugtuung, ihm zumindest vor meinem Ableben die Vorderzähne eingeschlagen zu haben.
Er schoss erneut, diesmal schlug die Kugel unmittelbar vor meinen  Zehen ein.
Ich unterdrückte gewaltsam die Reaktion wie ein Karnickel hoch zu springen und sagte
betont lässig; „ na ja, was den Unterhaltungswert betrifft , kann  meine letzte Darmspiegelung
da ungefähr mithalten.

Schon als ich es sagte, wusste ich, diese imitierte Jerry Cotton-Masche würde ihm kaum
die Falten aus der Hose hauen, es war einfach nur strohdämlich, ihn auch noch zu reizen.

Barmherziger Gott, rief ich und erhob beide Hände gen Himmel,  von Dir kommen wir
und zu Dir werden wir – wenn auch nicht immer freiwillig -  wieder gehen.

Es klappte, im gleichen Augenblick als meine beiden Hände über die in meinen
Ohrläppchen implantierten Beamer ragten, rutschte ich in der Zeitschiene nach vorne,
entkam der gefährlichen Situation und landete aus einer Kneipenschlägerei im Chicago
der Vierziger in der deutschen Gegenwart des 22. Jahrhunderts.
Das Letzte was ich sah, war das total verdutzte Gesicht meines Kontrahenten.

Leider aber verpasste ich dann doch um Haaresbreite meinen Entsendungsort und
tauchte nicht – wie angepeilt – im Zeitschienensektor der Rückführungsgesellschaft
wieder auf, sondern im Tanzstudio von Beate Kümmerlich, genau fünfzig Jahre
vor meiner eigenen Zeit.

Bei meinem letzten Besuch hatte sie mich massiv sexuell bedrängt...und ich hatte JA gesagt.
Wahrscheinlich war zu dem Zeitpunkt wohl gerade der Hypnosestrahl ihres Heimatplaneten
auf mich gerichtet, anders kann ich mir diesen Leichtsinn nicht erklären.
Die gute Beate hatte nämlich einen ausgesprochenen Tick, sie behauptete, ihre Wiege habe
in der Andromedagalaxie gestanden, was sie für Erdenmänner unwiderstehlich mache.

Leider aber passte sie so gar nicht in mein Beuteschema und deshalb hatte ich dann
auch die Kurve gekratzt, wobei ich mir einredete, dass ich Isabell Treue versprochen
hatte auf meinem Trip durch die Zeiten..
Ich gedachte zwar nicht, mit Isabell eine feste Bindung einzugehen, aber offenkundige
Promiskuität hätte unsere Beziehung unnötig kompliziert.
 
Wie gewagt meine fehlerhafte Landung war, erfuhr ich in genau dieser Sekunde.
Kaum hatte Beate mich erblickt – ich materialisierte mich mitten in ihrem Tanzstudie –
da schrie sie auch schon gellend,  „Security, Security,“  was in diesem Fall ihren
etwas bulligen Rausschmeißer namens Udo mit gewaltigem Bizeps und tätowierten
Oberarmen auf den Plan rief.

„Catch him, catch him,“ schrie sie in ihrem etwas sonderbaren Denglich.
„Für den Scheißkerl habe ich mir die Nase verkleinern, den Po liften und die
Titten vergrößern lassen und das, obwohl ich ganz bestimmt das Herz auf dem
rechten Fleck habe, aber das kann man schließlich auch von meinem Hinterteil
sagen,“ fauchte sie erbittert

In dem Moment wünschte ich mir, der Situation auf einem fliegenden Teppich
aus dem 16. Jahrhundert, üppig gewebt und persisch gemustert, entkommen zu können.
Zumindest wäre das erheblich fantasievoller gewesen, als nur die Arme anzuheben
und regelrecht aus der Gegenwart gesogen zu werden.
Diesmal achtete ich auf die genauen Koordinaten und landete sanft im Terminal
der Rückführungsgesellschaft.

Meine Zeitreise war beendet.
Jetzt wartete nicht nur der harte Arbeitsalltag auf mich, sondern ich hatte auch den
üblichen Bericht zu verfassen. Wie zur Hölle konnte ich mich da herauswinden?
Die Gremien, die mich in das Zeitreiseprogramm aufgenommen hatten, würden jede
weitere Reise verhindern, sobald sie wussten, dass ich mich dem süßen Leben in den
Fünfzigern hingegeben und so gut wie kein Material für Biological Engineering
– meinen Arbeitgeber - gesammelt hatte.
Wir entwickelten eine Fülle neuer Biopharmaka, mit biotechnischen Methoden produziert
und das Ziel, maßgeschneiderte Medikamente herzustellen und individuelle auf den
Patienten zugeschnittene Therapien zu erarbeiten, war greifbar nahe.

Was uns fehlte war eine Probanden-Gruppe, mit der wir unsere Ergebnisse testen  konnten.
Tierversuche gehörten längst der Vergangenheit an und gerade hatte ein Prozess vor
dem Weltgerichtshof aufgedeckt, dass unser größter Konkurrent aus dem Rennen geworfen
wurde, weil er seine Testreihen mit staatlich subventionierten Bürgern
– früher Obdachlose genannt -  starten wollte.

Die Idee, in die Vergangenheit zu reisen und dort den Boden für weitgreifende Tests
vorzubereiten, kam aus dem Management.
Dass die Wahl auf mich fiel, war dagegen eher dem Umstand zuzuschreiben, dass
mein Ruf als unkonventioneller Mitarbeiter größer war, als mein berufliches Renommee.
Zeitreisen waren unerprobt und die Möglichkeit, dass ich den Einstieg in meine Zeit
nicht mehr finden würde, durchaus gegeben.

Dass ich es nun schon zweimal geschafft hatte, ohne größere Probleme wieder in
der Jetztzeit zu landen, ließ erwarten, dass ich auch fähig sein würde, die für uns
nötigen Probanden in der Zeit um 1950 aufzutun und alles vor Ort zu organisieren.
Ich redete mir zwar ein, dass unsere Forschung auch in der Vergangenheit nützlich
werden konnte,  aber meine Bedenken, ahnungslose Vorfahren ohne ihr Wissen
zahlreichen Versuchen auszusetzen, ließen sich nicht ganz verdrängen.

Das Tissue Engineering war auch  2175 noch kein voll ausgetesteter Bereich.
Wir beschäftigten uns mit dem Aufbau von Geweben, das kranke menschliche Organe
oder Organteile ersetzen konnte.

Aber ich kochte durchaus mein eigenes Süppchen.
Wenn ich richtig kalkuliert hatte mit meinen Aktienkäufen, dann würden in Kürze die
Aufträge für biometrische Sicherheitseinrichtungen für den gesamten Osten unseres
Planeten anlaufen und die Aktien der Biometrik AG, die ich zusammen mit meinem
Freund Alex, dem technischen Entwickler der Biometrik,   zu 49% hielt, einen Riesensprung machen.

Noch vor hundert  Jahren  nahm man an , dass es keine perfektere Methode der
Absicherung gab, als die Iriserkennung.
Die Iris eines Menschen verändert sich nie und war auch nicht zu manipulieren.
Dachten zumindest damals die Experten. Das allerdings erwies sich als Irrtum,
Tüftler knackten auch diese Sicherheitseinrichtung.

Als perfekte Methode erwies sich dann ein einfacher DNA – Test, der geschlossene
Bereiche nur für Zugangsberechtigte öffnete, ebenso anzuwenden bei jedem normalen Hauseingang.
Letzteres, einmal in Serie im Handel,  würde uns dann das nötige Kapital beschaffen,
einen Plan umzusetzen, der weitaus fantastischer war, als Zeitreisen, Organzüchtungen
und DNA-Codes zusammen genommen.

Meine Zeitreiseeinsätze wurden fantastisch bezahlt, ich hatte das Einkommen eines Sportstars
und lebte auch so.

Es war ungeheuer entspannend, wieder in der vollautomatisierten Gegenwart zu sein und ich
beschloss, zuerst eine 24-stündige Auszeit in meinem Heim zu nehmen, ehe ich den
Großkopfeten der T.E. gegenüber trat.

Entspannt lehnte ich mich in die Polster des Zubringergleiters, der sich sofort meiner Sitzposition anpasste.
Innerhalb von zehn Minuten brachte der automatische Pilot mich nach Eingabe meines Zieles
selbstständig  zu meinem Feriendomizil an der Küste.

Ich würde meinen Akku zu Hause aufladen, alle Termine absagen und ein Verwöhnabenteuer buchen.
Isabell  war mir heute zu anstrengend, für diesen Zweck war Carol passender.

Rasch tippte ich ein paar Zahlen in meinen Controler, hinterließ meine DNA auf dem
Display und sandte die Stichworte * Carol, 18.30 Uhr*  an die Agentur.

Wie vorprogrammiert, empfing mich mein Heim mit wohliger Wärme, aromatischem Kaffeeduft,
leiser Musik und einem fürstlichen Abendessen.

Der Hausroboter hatte den Tisch gedeckt und meinen Kimono herausgelegt.

Leonhard, mein etwas übergewichtiger, siamesischer Kater saß abwartend auf der
Daunendecke meines Bettes, während ich mich wohlig unter der Lichtdusche räkelte.

Auf der Wand gegenüber liefen die Abendnachrichten, gefolgt von den Börsenkursen
und ich sah zu meiner Überraschung, dass die Aktien der Biometrik AG bereits einen
entscheidenden Sprung nach oben gemacht hatten.
Alex und ich hatten richtig spekuliert, diese Investition würde uns beide an die Spitze
des Geldadels katapultieren.

Schnell stellte ich die Dusche auf Körperpflege und für Sekunden umgab mich
der duftende Strom einer teuren Lotion.

Danach stellte ich mich nackt unter den Medizinroboter.
„ Es bestehen keine körperlichen Beeinträchtigungen,“ säuselte eine sanfte Frauenstimme,
„Ihr Halbjahresscheck beim Internisten kann ausgesetzt werden.“

Gott sei Dank, meine Zellstruktur hatte auch diese zweite Zeitreise ohne Schaden überstanden.

Ich zauberte per Knopfdruck ringsum auf die Wände des riesigen Wohnraumes Plagiate
einiger Meister der Renaissance und empfing Robot Carol nackt, in stimmungsvollem Halbdunkel.
Sie hatte gerade begonnen mich höchst einfühlsam zu massieren,
als die Videoübertragungswand sich meldete.

Es war Alex.
Er begrüßte mich nicht einmal, sondern warf nur einen hastigen Blick auf meine Blöße
und  sagte schnell, „ prima Kon, bleib gleich liegen, es gibt jetzt eine Demo, die zieht Dir die Schuhe aus.“
Es schien ihm nicht aufzufallen, dass ich keine Schuhe trug.

„ Ich verspreche Dir die Sensation des 22. Jahrhunderts und freu Dich, wir sind es,
die dieses Produkt in Serie herstellen werden, wir beide kommen unserem wirklichen
Ziel wieder einen ungeheuren Schritt näher, wirst sehen, wirst sehen.“

Im gleichen Moment schrie ich überrascht auf.
Eine Gefühlswelle überrollte mich, ausgelöst von etwas, das sich völlig meiner Kontrolle entzog.

Es war fantastisch, unzählige Hände schienen sich auf mich konzentriert zu haben,
jede meiner erogenen Zonen mit absoluter Sicherheit zu erkennen und zu stimulieren.
Selbst wenn ich es gewollt hätte, ich war völlig außerstande, mich dieser virtuellen
Vergewaltigung zu entziehen, ich genoss, was mit mir geschah.

„ Jetzt kennst Du die neueste Erfindung auf dem Biometrik-Sektor und ich denke,
Du musst nicht lange überlegen, welche Chancen damit auf uns zukommen.“
Alex grinste übers ganze Gesicht. „ Diesmal warst Du die Testperson und denke nur nicht,
das sei alles, was der Sender kann.

Als Auslöser kann ich bestimmen, welcher Art die Gefühle des Empfängers sein sollen,
ich bestimme also, was mit Dir geschehen soll und mir fiel auf die Schnelle nichts ein,
dass Dir überzeugender deutlich gemacht hätte, wie dieses Ding wirkt.“

Alex  strahlte mich von der Videowand an . Sein blondes Kraushaar stand wie eine
Bürste hoch und seine angestrengt blickenden Augen waren wie immer leicht gerötet.

„Wir werden mit dem Ding schon bald in Serie gehen können, das Gerät ist nach
entsprechender Modifizierung in der Lage jede Gefühlsregung beim Zielobjekt auszulösen,
unabhängig von der Entfernung.
Die Stimulation wird, wie jetzt bei Dir, durch das Einschalten des Bildtelefons ausgelöst
und ich hoffe, ich muss Dir nicht mehr viel über das Potential erzählen,
der Emotionsdetektor wird uns unserem Ziel auf gewaltlose Weise ein ganzes Stück näher bringen.
Und, jetzt strahlte Alex übers ganze Gesicht, „es ist klar, dass dieser Durchbruch nicht publik gemacht wird.

Ich habe an diesem Projekt alleine gearbeitet, es nicht einmal zum Patent angemeldet,
das holen wir nach, sobald wir unsere Ziele erreicht haben, es vorher zu tun hieße,
die Funktion offen zu legen und Du kannst Dir vorstellen, dass man es uns abjagen würde,
ehe wir auch nur damit in Serie gehen können.“

Und ob ich mir das vorstellen konnte.
Die Erinnerung an Ric. Drexler, den Erfinder des Nanoassembler – wachgehalten in allen
Schulbüchern – war noch sehr lebendig.
Der Mann hatte versucht, den Hunger der Welt abzuschaffen und einen Replikator erfunden,
der jeden beliebigen Gegenstand, auch sich selbst, herstellen konnte, in dem er ihn mit Hilfe
von Nanogreifern Stück für Stück aus einzelnen Atomen zusammensetzte,
anstatt wie davor üblich, Tonnen von Rohstoffen und Reagenzien einzusetzen.
Gebraucht wurde dazu nur noch eine Art atomarer Grundbaukasten.

Ehe Drexler dazu gekommen war, mit seiner Idee in Serie zu gehen, war er tot.
Es wurde nie geklärt,  welche industrielle Lobby, oder alle zusammen, diese Gefahr für ihre
Produktionsbereiche entsorgt hatten.

Seine Idee starb mit ihm.
Die Suche nach einer geistigen Quelle des Bösen  ist verschwendete Zeit,
der Mensch allein ist durchaus zu jeglicher Art des Bösen bereit und fähig.

Wir würden uns zu schützen wissen.

„ Alex, soll das heißen Du hast * Traumania*  aufgegeben?“

„ Aber nicht doch Kon,, was meinst Du denn was ich in der Zeit Deiner Abwesenheit getan habe?
Traumania ist einsatzbereit, wir müssen nur noch darüber nachdenken ob wir es wirklich an die
Vollzugsbehörde weitergeben, oder doch privat anwenden wollen.“

„ Privat?“ Ich drehte mich so abrupt auf der Liege um, dass Robot Carol, die inzwischen
ihre Arbeit wieder aufgenommen hatte, ins Leere griff.
„ Ich dachte, wir wollen mit diesem Kellermann verhandeln, der Traumania unter staatlicher
Aufsicht für Triebverbrecher einsetzen soll.“

„ Kellermann?“ Alex fauchte den Namen regelrecht. „ Dieser verdammte Schleimer hielt
sich doch schon immer für die letzte Tränke in der Wüste.
Der Kerl begreift einfach nicht, dass Traumania  die Lösung ist, dieses perverse Gesocks zu entsorgen.

Ich habs ihm demonstriert, unseren Prototyp an einer der  Bestien aus der Sicherheitsverwahrung getestet.
Der Kerl schlief ein und hat im Traum seine Abartigkeit ausleben können.
Er war hinterher so sanft wie ein Lämmchen, aber natürlich ungeheuer scharf darauf,
Traumania nach Belieben verwenden zu dürfen.
Er hatte ja damit alles, um seine Triebe auszuleben ohne straffällig zu werden.

Aber Kellermann dieser Narr, hat zwar sicher einen fühlbaren Puls und den Anflug einer
Gehirntätigkeit, aber ob das reicht, ihn am Geschehen teilhaben zu lassen, bezweifele ich sehr.

Ich habe ihm klar gemacht, dass Traumania  den Träumenden in die Geschehnisse einbezieht
und er ihren Ablauf je nach Bedarf verändern und den jeweiligen Bedürfnissen seiner
nächtlichen Aktivitäten anpassen kann.
Kellermann müsste also begriffen haben, dass damit nicht nur potentielle Opfer überleben,
sondern auch der gesamte forensische Betrieb eingespart werden kann, ebenso wie die Strafvollzugsanstalten.
Wer alle seine Triebe mit Traumania ausleben kann, muss sich nicht in die Gefahr begeben
sie durch Straftaten zu befriedigen.
Er kapiert einfach nicht, dass dieses Programm derart real ist, dass es als gelebte Wirklichkeit empfunden wird.“

„Dann müssen wir mit dem Ergebnis eine Stufe höher vorsprechen, Kellermann ausschalten.“
Ich wurde ungeduldig.
„Wieso kapiert dieser Schwachkopf nicht, dass man mit dem Traumania-Programm 90% aller
Straftaten auf dem sexuellen Sektor vermeiden kann .
Nur wer trotzdem noch straffällig werden sollte, wird aus dem Verkehr gezogen.“

Wütend trommelte ich mit beiden Fäusten auf die Liege und Carol, der weibliche Roboter,
versuchte vergeblich, meine Waden einer intensiven Massage zu unterziehen.

„ Na ja,“ Alex zögerte, als wisse er nicht, wie ich seine Erläuterungen aufnehmen würde,
dann schien er sich aber entschlossen zu haben, deutlich zu werden.

„Ganz so einfach  wird’s nicht gehen.
Wir müssen damit rechnen, dass mit der Einführung von Traumania Probleme auftauchen könne,
an die Du offensichtlich noch nicht gedacht hast, mein Freund.
Wer sollte z.B. die Menschheit hindern, sich Realträume jeglichen Inhaltes erstellen zu lassen,
um fortan jede eigene Lebensführung aufzugeben, weil man sich Erfolge jeder Art Tag und
Nacht erträumen kann, so realistisch, als ereigneten sie sich wirklich.

Noch eines, wie schützen wir uns davor, dass unsere Erfindung missbraucht wird und
irgendwelche destruktiven Kräfte uns das Wissen über Traumsteuerung abjagen und
keine Ruhe geben, bis sie es geschafft haben, in die Träume ihrer Mitmenschen einzudringen
und deren Unterjochung auf dem Gebiet ebenso zu betreiben, wie sie es bereits in der realen Welt tun?

Mir stockte der Atem.
„Du hast recht Alex.
Mit Traumania könnte die Erde in nur 100 Jahren verloren sein, jeder Fortschritt erloschen,
jede Innovation wird nur noch im Traum erlebt.
Umzusetzen und zu erarbeiten braucht niemand mehr etwas, man hat ja zu
beliebiger Zeit seine eigene Realität.“

„Genau,“ Alex schnaufte erbittert, „wir können also nur eine verschlankte Form dieses
Programms anbieten, es führt kein Weg daran vorbei, die nötigen Gelder für unser
Genprogramm müssen wir also nach wie vor aus den Aktien der Biometrik locker machen.
Aber jetzt haben wir ja den Emotionsdetektor.
Wenn der in den Handel kommt, natürlich reduziert auf erfreuliche Emotionen, dann sind wir solvent.
Was er sonst noch kann, werden wir hübsch unter der Decke lassen Kon.“

Die Übertragungswand erlosch und ich war mit meinen Überlegungen allein.
Dachte ich zumindest, bis mich ein leises Klicken aufschreckte.
Was war denn das?  Das klang nach einem stoppenden Aufnahmegerät.
Wer hatte denn hier.....Carol...ich hatte die Dienstleisterin völlig vergessen,
immerhin war sie ja trotz aller Lebensechtheit nur eine Maschine.
Aber offenbar eine mit einem höchst unerlaubten Auftrag. Das konnte nur bedeuten,
Alex und ich waren in höchster Gefahr.

Jemand spionierte uns aus.

„Genug Carol,“  ich entwand mich ihrem Massagegriff und sagte sanft, „ geh ins Bett Kleine,
ich buche Dich für die Nacht.“
Sie zögerte für den Bruchteil einer Sekunde, als sei das eine Anweisung, die nicht
vorgesehen war, ging dann aber mit ihrem aufreizenden Gang und wippenden Brüsten
aus dem Fitnessbereich.

Ich sprang auf, drehte die Dusche auf den alles übertönenden Massagestrahl und sandte
zuerst das vereinbarte Gefahrensignal der höchsten Stufe an Alex.
Die Rückwand der Dusche führte in einen schwach erleuchteten Geheimgang.
Ich hatte genau für diesen Fall vorgesorgt, die Überwachungsorgane würden mich nicht erwischen.

Aber lange würde dieses Schlupfloch nicht unentdeckt bleiben, das wusste ich.
Der Notfallplan funktionierte präzise.
-

Am Morgen des 7.April 2175 meldete die Rückführungsgesellschaft einen unerlaubten Start
von zwei Personen und einem tierischen Objekt in die Vergangenheit.
Zieljahr und Ort der Landung konnte wegen eines Ausfalls der Aufzeichnunsmatrix nicht
ermittelt werden.
Die gesamte Startanlage war zerstört worden, es würde Jahrzehnte dauern, die Testphase zu rekonstruieren.

2010 in New York.
Die Genforschung hatte trotz aller Widerstände und Bedenken zu der Überlegung geführt,
dass es ratsam sein könnte, die genetische Struktur der Spezies Mensch gezielt zu verändern
und das überbordende Gewaltpotential auszuschalten.

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